Die Pflege des Spitzes

Eine der Fragen, die mir häufig gestellt wird in Anbetracht meiner wuscheligen Meute, betrifft die Pflege, die sich die meisten Leute ungeheuer aufwändig vorstellen.

Das kann ich prinzipiell nicht bestätigen. Das Fell der Spitze ist ausgesprochen pflegeleicht und ich möchte es nicht gegen das eines kurzhaarigen Hundes tauschen.

Wolfsspitze müssen hier allerdings ausgenommen werden. Sie haben eine vollkommen andere Fellstruktur, die, wenn man das Haar vergrößert betrachtet, gekreppt aussieht. Erschwerend kommt dazu, dass sich gerade bei den Wolfsspitzen viele Züchter in ihrer Zucht leider dahingehend versteigen, dass sie den armen Hunden inzwischen derartige Fellmassen anzüchten, dass es selbst mit viel Mühe praktisch unmöglich ist, die Hunde vernünftig bis auf die Haut durchzubürsten. (Das sollte man sich vor einem Kauf gut überlegen. Die Beurteilung der Fellmenge bei einer Mutterhündin, die noch ihre Welpen führt, ist hierfür nicht aussagefähig, da Hündinnen nach einem Wurf extrem abhaaren!)

Das Fell

Im Normalfall braucht ein Spitz nicht häufiger als maximal im wöchentlichen bis vierzehntätigen Abstand gebürstet werden. Selbst ein Spitz, der monatelang nicht gebürstet wurde, sieht ordentlich und gepflegt aus! Schmutz verfängt sich so gut wie überhaupt nicht im Fell, selbst nach einem Schlammbad sollte der Spitz nur noch ein Weilchen herumlaufen. Sobald der Schlamm trocknet und der Hund sich schüttelt, fällt alles herunter. Mancher Hersteller von Pfannen würde sich wahrscheinlich freuen, wenn er sein Produkt mit einer so erstklassigen Antihaft-Beschichtung ausrüsten könnte.

Während des Fellwechsels sollte allerdings mindestens einmal täglich gebürstet werden. Im Gegensatz zu den Haaren kurzhaariger Hunde, die sich überall verfangen und in Teppich, Kleidungsstücke usw. eindringen, bleiben die langen Spitzhaare schön oben liegen und lassen sich gut absaugen. Auf Fliesen bilden sie Wolken (“Fellmäuse”), die man im Vorbeigehen kurz mitnimmt und der Fall ist erledigt.

Dabei bürstet man den Spitz gegen den Strich und das Fell der Vorder- und Hinterläufe, Federn, bzw. Hosen genannt, nach oben. Eventuell muss man das Fell dazu in kleinen Portionen abteilen, die man nach und nach bürstet. Dabei solte man auf “Untermieter” achten. Zecken sollten z.B. mit einer Zeckenschlinge oder Zeckenzange (Im Handel erhältlich) entfernt werden, Flöhe machen sich durch Ablagerungen auf der Haut bemerkbar, die zigarettenasche-ähnlich aussehen. Meist ist dann der Hund auch sehr unruhig, beißt sich oder quiekt gelegentlich auf. Gegen solche unerwünschten “Untermieter” gibt es beim Tierarzt oder in der Apotheke geeignete Abwehrmittel. Floh-Befall ist sehr ernst zu nehmen, weil Flöhe häufig Wurmeier übertragen!

Sollte der Hund, was individuell sehr unterschiedlich ist, sehr stark Sekret bildende Duftdrüsen hinter dem Ohr haben, so können sich dort leicht Klumpen bilden. In diesem Fall braucht man aber auch nur diesen Bereich häufiger kontrollieren und ggf. kurz durchbürsten.

Gebadet werden braucht ein Spitz im Normalfall überhaupt nicht. Sollte er mal seine Kehrseite beschmutzt haben, was bei Durchfällen vorkommen kann und darüber hinaus meist ernährungsbedingt ist (z.B. bei Fütterung mit Essensresten), reicht Abspülen mit klarem Wasser völlig. Das Fell trocknet auch sehr schnell.

Scheren sollte man einen Spitz nicht, weil das Fell nie wieder so nachwächst, wie es war. Eine Ausnahme dabei stellt ein alter Hund dar. Wenn er ein sehr dichtes Fell hat, kann ihm das insbesondere im Sommer sehr zu schaffen machen. Es ist ihm dann evtl. zu schwer und der Kreislauf eines alten Hundes kann das unter Umständen nicht mehr gut verkraften. Wer einmal erlebt hat, wie ein alter Spitz plötzlich wieder neue Lebensfreude bekommt, weil man ihm im Sommer diese Last genommen hat, wird nicht zögern, ihn zu scheren.  Dabei sollte man allerdings das Fell unterm Bauch und an den Nieren nicht allzu kurz scheren, damit er sich beim Ablegen nicht verkühlt. Bei sehr alten Hunden kann es vorkommen, dass das Fell bis zum Winter nicht gut nachgewachsen ist. Dann sollte man sich nicht scheuen, ihm ein Hundemäntelchen zu kaufen. Für einen 16 oder 18 Jahre alten Hund ist es keine Schande, im Winter auch mal ein Mäntelchen zu tragen!

Problematisch wird die Fellpflege nur, wenn man seinen Hund kastrieren lässt.

Neben anderen nachteiligen Veränderungen (siehe unter „Pepper“), leidet bei Kastraten die Fellstruktur erheblich.  Schmutz, kleine Äste und Gräser verfangen sich im Fell, das Fell hat eine Tendenz zu verfilzen und der Hund muss meist täglich sehr aufwändig gebürstet werden. Wenn der Hund nass wird, benötigt das Fell je nach Intensität manchmal 24 Stunden und länger zum Trocknen.

Man sollte sich also sehr gut überlegen, ob man seinem Hund und auch sich selbst so etwas zumuten will, zumal Kastration keine Erziehung ersetzt und gegen unerwünschten Hundenachwuchs helfen auch Halsband und Leine. Die meisten Hündinnen werden zwei Mal im Jahr läufig und können nur in der Standhitze belegt werden. Das ist die Zeit, wenn die Hündin sich einem Rüden anbietet und den Schwanz einladend zur Seite legt. Sie beginnt meist (individuell unterschiedlich!) etwa 12-14 Tage nach Einsetzen der Blutung. Dies sind übers Jahr durchschnittlich nur etwa 2-3 Wochen, die man gut überstehen kann. Die oft als Grund angeführte Scheinträchtigkeit von Hündinnen ist keine Krankheit, sondern ein völlig normaler biologischer Vorgang, um dessen Willen man keiner Hündin eine solche Tortur bei ihrer Körperpflege, sowie andere gravierende Nachteile zumuten sollte. Für Rüden gilt das entsprechend. Selbst wenn ein liebeshungriger Rüde mal eine Woche lang nicht frisst, so ist doch noch kein Hund daran verhungert. Unser Anton beispielsweise bringt dann auch gern mal seiner Angebeteten ein Ständchen. Das muss man einfach mit Humor nehmen und kann es auch unterbinden.

Übrigens kann man aus dem Fell der Spitze wunderbare Pullover und Jacken herstellen. Aber das Verspinnen von Hundewolle ist nicht ganz einfach und man benötigt auch schon eine ziemlich Menge. Dennoch: Der Aufwand lohnt sich durchaus. Hundewolle ist wesentlich wärmer als die wärmste Schaf- oder Alpakawolle!

 

Die Pfoten

Unter Ausstellern ist es sehr verbreitet, die Pfotenhaare zu kürzen, sofern sie nach vorn überstehen, um damit die runden Pfoten – sog. “Katzenpfoten” – zu betonen oder weil sie es einfach unschön finden. Dazu sollte man bedenken, dass die Pfotenhaare, die vorn überstehen, aus gutem Grund dort sind. Es sind nämlich Tasthaare. Sie geben dem Hund wichtige Informationen über den Untergrund, auf den er tritt. Wenn man seinen Hund einmal aufmerksam beobachtet, wird man schnell feststellen, dass er manchmal die Pfote schnell zurückzieht. (Das macht er übrigens auch, wenn er selbst beispielsweise in den Kothaufen eines anderen treten würde.) Schneidet man sie ab, erhöht man die Gefahr, dass der Hund sich die Pfoten verletzen kann.

Im Winter werden von vielen Hundefreunden und -geschäften die unterschiedlichsten Salben verwendet und angepriesen. Im Normalfall ist absolut nichts davon wirklich notwendig. Alle Salben und Fette bringen die Haut zum Aufquellen und sorgen dafür, dass die Haut an den Ballen der Hunde weich und damit empfindlich wird. Genau das aber ist eher kontraproduktiv. Natürlich sollte man darauf achten, dass der Hund im Winter nicht gerade über die dicksten Salzklumpen läuft. Falls er dennoch einmal Pfotenkontakt mit Salz hatte, lässt man ihn im Anschluss daran über frischen Schnee laufen und das Salz wird dort praktisch abgewaschen. Ansonsten spült man ihm zu Hause die Pfoten kurz unter fließendem Wasser ab. Es kann vorkommen, dass sich an den Haaren zwischen den Ballen Schneeklumpen ansammeln, die den Hund beim Laufen behindern. Bei einem alten Hund kann man diese dann entfernen. Bei einem jüngeren Hund ampfehle ich aber, den Hund einfach damit laufen zu lassen. Irgendwann wird ihm das Ganze dann zu unangenehm und lästig und er knabbert die Schneeklumpen selbst ab. Wenn er das einmal gelernt hat, weiß er sich jederzeit selbst zu helfen. Eine Ausnahme muss hier allerdings gemacht werden: Falls der Hund allerdings am Fahrrad oder als Zughund vor dem Schlitten läuft, sollte er speziell hierfür hergestellte Pfotenschuhe tragen. Vor allem im leicht angefrorenen Schnee kann er sich sonst im schnellen Lauf Pfotenverletzungen zuziehen.

 

Die Ohren und Augen

Regelmäßig kontrollieren sollte man aber die Ohren (Ohrmilben/Ohrenzwang, Gras- oder Getreidespelzen). Eine Reinigung sollte aber nur bei starker Verschmutzung erfolgen. Bei Fremdkörpern muss man ggf. zum Tierarzt.

Bei Hunden mit missgebildeten Tränenkanälen bildet sich eine meist rötliche, feuchte Tränenspur unter den Augen. Leider achten die meisten Züchter nicht auf diese Fehlbildung, die für das Tier jedoch sehr quälend ist. In diesem Fall sollte man darauf achten, die Tränenspur mehrfach täglich zu trocknen. Solche Hunde sind auch sehr empfänglich für infektiöse Augenerkrankungen.

 

Die Zähne

Gelegentlich sollte man auch das Gebiss kontrollieren. Zahnstein, Karies, entzündete Zähne und Zahnfleisch, sowie Wucherungen des Zahnfleisches (bei verschiedenen Rassen gehäuft) können auch einem Hund sehr zu schaffen machen. Häufig macht sich das durch Mundgeruch oder Fress-Unlust bemerkbar. Dies lässt sich gut durch geeignete Ernährung beeinflussen, aber nicht vollkommen ausschließen. Manche Hunde haben, bedingt durch die Zusammensetzung ihres Speichels, eine erhöhte Neigung zur Zahnsteinbildung. Bei starker Zahnsteinbildung, Entzündungen, Gewebswucherungen und faulen Zähnen sollte man sich an den Tierarzt wenden, der eine Zahnsanierung durchführen wird.

Von der bei Ausstellern gängigen Praxis, den Hund immer wieder in Narkose legen zu lassen, um die Zähne per Ultraschall reinigen zu lassen, kann ich nur abraten. Man sollte nicht vergessen, dass jede Narkose Risiken birgt. Auch, wenn der Tierarzt oder die Tierklilnik sehr gut und versiert sind, so wird das auch dort niemand ernsthaft bestreiten. Und selbst bei mir bekannten Spitzhaltern ist es schon vorgekommen, dass ein wunderbarer, noch relativ junger Hund eine solche Narkose nicht überlebt hat. Daher sollte man sich gut überlegen, was einem wichtiger ist: die tollste Bewertung der Show oder die Gesundheit/das Leben des Hundes. Tote Hunde bekommen auch keine guten Bewertungen.

Auch Zähneputzen ist bei einem normalen Hund absolut sinnfrei. Am liebsten pflegen die Hunde ihr Gebiss selbst mit einem leckeren Knochen, der ausreichend Abrieb bieten sollte. Meine eigenen Hunde erhalten dazu normalerweise Rinder- oder Kalbshaxen und, falls verfügbar auch Hirschfüße mit Huf. Am besten noch mit dem vollständigen Fell. Dieses aufzubrechen stellt nämlich den Hund und sein Gebiss vor eine besondere Herausforderung. Bei einem alten Hund, der nicht mehr ganz so gut nagen kann, kann man einen schönen Sandknochen geben. Der ist etwas weicher, bietet für das alte Hundegebiss aber auch gute Abriebflächen.

 

Wurmkuren

Wurmkuren kann man bei Bedarf halbjährlich oder jährlich durchführen. Speziell bei Hündinnen werden ruhende Larven durch die zur Läufigkeit ansteigenden Hormone aktiviert. Daher sollte man bei Hündinnen die Wurmkur ab Beginn der Blutung (deren Termin man sich notieren sollte) durchführen. Bei Hündinnen, die zur Zucht verwendet werden, gehört dies zum Pflichtprogramm. Ebenso bei Hunden, die häufigen Kontakt zu Kindern haben oder als Therapiehunde z.B. in Altenheimen oder bei behindeten Menschen eingesetzt werden.

 

Impfungen

Empfehlenswert ist es, seinen Hund gegen Tollwut impfen zu lassen, da ein Hund ohne Impfung auch bei Verdacht auf Tollwut sofort getötet werden darf. Für Ausstellungen und Auslandsreisen ist es in der Regel zwingend vorgeschrieben. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Impfungen, die für Hunde angeboten werden. Nicht alle sind notwendig. Durch den zunehmenden Import aller möglichen Tiere aus dem Ausland werden leider auch immer mehr schwere infektiöse Erkrankungen importiert, die in deutschen Hundepopulationen fast ausgerottet waren, wie zum Beispiel die Staupe, Parvovirose und darüber hinaus auch Erkrankungen, die hierzulande bisher unbekannt waren.

Hier sollte man sich vom Tierarzt beraten lassen, da dieser i.d.R. gut darüber informiert ist, welche Erkrankungen in seinem Einzugsgebiet verbreitet sind. Impfungen gegen Zwingerhusten sind meist vollkommen überflüssig. Es gibt drei Arten von Zwingerhusten – nur gegen eine davon kann geimpft werden und meist bekommt der Hund dann doch eine der beiden anderen Arten. Die Anfälligkeit oder auch Resistenz des Hundes gegen Infektionen ist darüber hinaus auch eine Frage der gesunden Zucht (siehe auch unter “Die Bedeutung der Hundenase in der Zucht”). Meine eigenen Hunde haben beispielsweise sogar gegen Zecken Abwehrmechanismen gebildet.

2 Gedanken zu „Die Pflege des Spitzes

  1. Julia Schumacher - Fritz

    Vielen Dank für Ihren vernünftigen und alltags-erprobten Beitrag zur Pflege des Spitz!
    Bin zufällig auf diese Seite gestoßen.
    Wir haben einen 20 Mon. alten Wolfsspitz und sind sehr glücklich mit dieser Rassewahl – er ist ein Hund mit Treue, Charakter und Selbstbewusstsein!

    Antworten

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