Schonkost bei Erbrechen und Durchfall

Praktisch jeder Hund leidet irgendwann in seinem Leben mal unter Durchfall und/oder Erbrechen.

Nicht jedes Erbrechen, jede Durchfall-, bzw. Brechdurchfall-Erkrankung verläuft gleich schlimm und bei einem prinzipiell vitalen Hund und einer nur leichten Beeinträchtigung muss man nicht unbedingt alle die hier aufgeführten Stufen des Kostaufbaus einhalten oder kann sie zeitlich eng begrenzen. Aber selbst bei stärkeren Beschwerden kann man, wenn die eigentliche Krise erst einmal überwunden ist, mitunter nach jeder Fütterung schon eine Stufe weitergehen. Das Kriterium für ein Höherstufen der Kostform sollte sein, dass der Hund mindestens einmal, besser noch zweimal normalen Kot abgesetzt hat und nicht erbricht. Sollten die Beschwerden wieder auftreten, muss, je nach Schwere, entweder umgehend zu der vorherigen Kostform zurückgekehrt oder aber auch erneut mit der Trinkpause begonnen werden.

Selbstverständlich können manchmal sehr simple Gründe im Sinne einer „Magenverstimmung“ vorliegen (z.B. das übermütige Fressen größerer Mengen Schnee im Winter, zu gieriges Fressen, zu kaltes Futter), bei denen man sich nicht immer gleich die größten Sorgen machen muss.

In jedem anderen Fall, besonders bei blutigen und/oder schleimigen Beimengungen, sowie anhaltenden oder wiederholten Durchfällen, sollte man jedoch den Hund immer zügig beim Tierarzt vorstellen (und am besten auch gleich eine Probe vom Kot oder Erbrochenen mitnehmen), denn es gibt durchaus eine Vielzahl verschiedenster Gründe, die zwingend medikamentös oder sogar operativ behandelt werden müssen, wie z.B. Verlegung des Verdauungskanals durch verschluckte Gegenstände oder größere Knochen (vorwiegend, aber nicht ausschließlich bei Welpen und Junghunden), Futtermittel- und Medikamenten-Unverträglichkeiten, Gifte, bakterielle, virale und parasitäre Erkrankungen (z.B. Parvovirose, Kokzidiose, Giardien, Würmer usw.)

Besonders problematisch sind solche Erkrankungen vor allem bei jungen, alten oder anderweitig (z.B. durch andere Erkrankungen) geschwächten Tieren – schlimmstenfalls können sie tödlich verlaufen! Auch diese gehören schnellstens zum Tierarzt.

Die angegebenen Vorschläge ersetzen also keinesfalls den Tierarztbesuch, können aber dessen Therapie gut unterstützen.

Mit diesen Kostformen habe ich selbst einen an Parvovirose erkrankten Jundhund durchbekommen. Selbstverständlich mit Hilfe des Tierarztes. Denn als die Parvovirose anfänglich auftrat (in den 1970er Jahren) war über diese Erkrankung noch praktisch nichts bekannt außer, dass der hochansteckende Erreger dem der sog. Katzenseuche ähnelte und darum wurde sie anfangs auch als Hundeseuche bezeichnet. Sie breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus und kostete Tausende von Hunden das Leben! Wer das als Hundehalter erlebt hat, wird es wohl nie mehr vergessen!. Heute kann man seinen Hund durch eine Impfung dagegen schützen und auch die Tier-Medizin hat sich natürlich inzwischen wesentlich weiterentwickelt.

 

Grundsätzliches

Bei jedem Erbrechen oder Durchfall sollte der Hund grundsätzlich eine Nahrungskarenz einhalten, also 24 bis 48 Stunden nicht fressen. Allerdings muss ihm unbedingt Wasser angeboten werden, weil es ansonsten durch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust zum Austrocknen des Körpers und Kreislaufversagen kommen kann. Dazu sollte ein Präparat zum Ersatz der bereits verlorenen Elektrolyte (verschiedene Salze) gegeben werden.

Ein Präparat zum Elektrolyt-Ersatz, wie z.B. Oralpädon oder Canicur gehört unbedingt in die Notfall-Apotheke jedes Hundebesitzers!

Ebenso sinnvoll ist es, wenn man fertig portionierte Karottensuppe, Fischfilets und Hühnerfleisch im Gefrierschrank, sowie Milchreis und Graupen als Trockenvorrat im Haus hat. Hunde werden nämlich, genau wie kleine Kinder, immer dann krank, wenn der Arzt im Urlaub ist oder man an Feiertagen nichts einkaufen kann . . .

Ich selbst habe seit vielen Jahren neben der Karottensuppe auch bereits fertig entgräteten Fisch, gegartes Hühnerfleisch, sowie verschiedenste ungesalzen gegarte und kleingestampfte Gemüse in Eiswürfelbehältern eingefroren. Auf diese Weise bin ich immer gut gerüstet, wenn ein Hund krank wird. Gerade, wenn der Hund unter Erbrechen oder Brechdurchfall leidet, ist man einerseits ständig mit „Hinterherputzen“ beschäftigt, andererseits möchte der Hund besonders viel Zuneigung, weil er sich, genau wie wir Menschen, bei diesen Erkrankungen besonders jämmerlich fühlt. Da kann man als Besitzer schnell unter Stress geraten, wenn man auch noch mit der Herstellung aufwändiger Sonderkost beschäftigt ist. Sollten die Eiswürfel längere Zeit nicht benötigt werden und zu überaltern drohen, kann man sie durch frische ersetzen und die älteren nach und nach als Abwechslung unters Futter mischen. Darüber freut sich auch der gesunde Hund.

Spaziergänge sollte man nicht unbedingt zu sehr ausdehnen – bei Hunden verhält es sich auch nicht anders als bei uns Menschen: Gerade Erbrechen und Durchfall wirken stark erschöpfend! Ein wenig Bewegung muss allerdings sein, denn es ist wichtig, den Kreislauf in Schwung zu halten.

Bei Hunden, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, sollte die Verabreichung ggf. nach Rücksprache mit dem TA unterbrochen werden, weil der Blutdruck durch den Flüssigkeitsverlust bereits absinkt und bei zu starkem Absinken weitere Schäden (z.B. Nierenversagen) drohen können.

 

Graupensuppe als Getränk

Insbesondere bei Erbrechen kann man dem Hund statt des normalen Wassers eine Graupensuppe anbieten. Sie sollte angewärmt angeboten werden, weil auch zu kalte Flüssigkeit den Magen zu weiterem Erbrechen reizen kann.

  • 3 EL Perlgraupen
  • 250 ml Wasser
  • (optional 1/2 TL Honig zugeben)

Die Perlgraupen werden mit 250 ml kochendem Wasser übergossen und für 3 Stunden ziehen gelassen. Danach die Flüssigkeit durch ein feines Sieb abseihen und dem Hund angewärmt zunächst in kleinen, später auch größer werdenden Mengen anbieten.

Alternativ kann man auch Kamillen- oder Schafgarbentee (mit einer sehr kleinen Prise Salz und einer MSp. Honig) anbieten.

Falls der Hund nicht spätestens am 2. Tag Flüssigkeit bei sich behält, sollte man mit dem TA klären, ob der Hund nicht Infusionen benötigt.

 

Karottensuppe nach Moro

Die Karottensuppe stammt ursprünglich aus der Kinderheilkunde. Sie ist aber bei kranken Hunden ebenso wirksam wie bei Säuglingen und wird normalerweise auch gern genommen. Sie resorbiert verschiedene (nicht alle!) Giftstoffe aus dem Darm, die von Durchfall-Erregern produziert werden. Das enthaltene Salz gleicht die krankheitsbedingt verlorenen Salze aus und mindert den gefährlichen Verlust weiterer Flüssigkeit.

  • 0,5 kg Karotten
  • Wasser
  • 1 TL Salz

Karotten putzen und in kleine Würfel schneiden. Mind. eine Stunde in einem Liter Wasser kochen und abgießen.

Karotten mit einem Mixstab pürieren bis ein feiner Brei entsteht. Mit abgekochtem Wasser auf einen Liter auffüllen und darin 3 g Salz (ca. 1 gestr. TL) gut auflösen.

Die fertige Suppe ergibt, je nach Größe des Hundes, etwa 4-5 Portionen, von denen man bei reinem Durchfall bereits ab dem 1 Tag über den Tag verteilt problemlos so viel geben kann, wie er mag und verträgt. Leidet der Hund auch über Erbrechen, sollte eine Trinkpause von 24-48 Std. vorher eingehalten werden und die Portionen sollten anfangs sehr klein sein und vorsichtig gesteigert werden.

Je nach Zustand sollte man am nächsten, spätestens aber nach dem 3. Tag die Kostform steigern.

Reste dieser Karottensuppe kann man entweder zur Herstellung von Karotten-Reisschleim verwenden oder auch portionsweise einfrieren.

 

Karotten-Reisschleim nach Bessau

Auch dieses Rezept entstammt der Kinderheilkunde. Die Wirkungsweise entspricht in etwa der Karottensuppe nach Moro, durch die Zugabe von Reis wird das Ganze aber schon etwas gehaltvoller. Die Körner des Rundkornreis‘ (wie z.B. Milchreis) sind im gegarten Zustand größer und so für den Hund leichter zu fressen. Sehr feinkörniger Reis kann sich sonst leicht in Schleimhautfalten in Hals oder Schnauze festsetzen und Würgereiz auslösen.

  • 250 g Karotten
  • Wasser
  • 1 TL Salz
  • 60 g Milchreis

Karotten putzen, zerkleinern, in 1 Liter Wasser mind. eine Stunde kochen, abgießen und mit einem Mixstab pürieren. Einen gestrichenen TL Salz darin auflösen.

60 g Milchreis waschen und mit 250 ml Wasser kurz aufkochen. Anschließend mit geschlossenem Deckel für ca. 1/2 Stunde garziehen und quellen lassen.

Den Milchreis ebenfalls pürieren, mit dem Karottenpüree mischen und mit abgekochtem Wasser zu einem Liter auffüllen.

Alternativ kann man, falls man noch Karottensuppe nach Moro übrig haben sollte, hiervon 1/2 Liter mit dem Reis und 1/2 gestr. TL Salz mischen und das Ganze zu 1 Liter auffüllen.

Abwandlungen:

Sollte es dem Hund langsam besser gehen, kann man den Reis auch ganz lassen.

Falls der Hund diese Kost ablehnt, kann man das Ganze mit etwas Fisch- oder Fleischabsud geruchlich und geschmacklich etwas „aufpeppen“.

 

Gedünsteter Fisch mit Karotten und Reis

Entgegen der allgemein geläufigen Meinung, den Kostaufbau mit Reis und Hühnchen zu starten, habe ich weitaus bessere Erfahrungen damit gemacht, mit Fisch zu beginnen, der noch leichter verdaulich und somit schonender ist als Hühnerfleisch. Das hängt natürlich wesentlich davon ab, wie schwer der Hund erkrankt ist/war und in welchem Zustand er ist.

  • 250 g Karotten
  • Wasser
  • 1/2 TL Salz
  • 60 g Milchreis
  • Fischfilet eines fettarmen Fisches

Geputzte und kleingeschnittene Karotten zusammen mit gewaschenem Milchreis und 1/2 gestr. TL Salz für ca. 1 Stunde in einem Liter Wasser kochen. Das Fischfilet gut entgräten und gesondert dünsten. Wenn es gar ist, sicherheitshalber noch einmal gut nach Gräten absuchen, etwas mit der Gabel zerdrücken (Wenn man wegen der Gräten unsicher ist, kann man ihn auch pürieren) und mit dem Karotten-Reis-Mus vermischen.

Abwandlung:

Statt gedünstetem Fisch kann man einige EL Hüttenkäse, Quark oder gehacktes Ei untermengen.

 

Weiterer Kostaufbau

Im weiteren Kostaufbau sollte man zunächst den Reis (zu viel Reis kann auch entwässern, vor Allem, wenn kein Salz zugegeben wird.) durch zerkleinerte und gekochte Kartoffeln, Haferflocken (Achtung: verträgt nicht jeder Hund gleich gut, ggf. nur den anderen Sachen beimischen!), Hirse oder Graupen ersetzen und den Fisch durch mageres Hühnchen-, später auch anderes Fleisch. Auch kann man durch Zugabe von reizlosem zerkleinertem und gedünstetem Gemüse, wie beispielsweise Kürbis, Zucchini, Rote Bete, Fenchelgemüse, Kohlraben o.Ä. für geschmackliche Abwechslung sorgen. Besonders bei heißem Wetter wird auch ein erfrischendes Stück Melone gern genommen. Das ist besonders bei sehr empfindlichen Hunden, bei denen der Kostaufbau nur sehr langsam erfolgen kann, sinnvoll.

Danach kann man das normale Futter in immer größeren Anteilen zumischen, bis der Hund wieder bei seiner ganz normalen Kost ist. Bei Trockenfutter sollte man das Futter anfangs einweichen, da es ansonsten im Magen nachquillt und dadurch erneute Beschwerden auslösen kann.