Geschichte der Spitze

oder

Warum der Spitz so ist, wie er ist

Domestikation und züchterische Selektion

Wenn man über Haustiere redet, sind immer auch deren Eigenschaften, Fähigkeiten, Nutzen usw. interessant. Wo der Mensch keinen Vorteil aus der Domestikation bestimmter Tiere ziehen konnte, unterblieb sie.

Wie muss man sich die Domestikation von Nutztieren vorstellen?

Grundsätzlich gehört der Hund, bzw. seine Vorfahren zu den sog. Kulturfolgern. Das bedeutet, dass seine Vorfahren sich den neolithischen Menschengruppen genähert haben um an deren kulturellen Errungenschaften (u.A. Jagd, Nahrungshorte, beginnende Tierzucht usw.) zu partizipieren. Zunächst bewohnte der steinzeitliche Mensch beispielsweise Höhlen, später aber auch Ansiedlungen, bei denen nicht weiter verwertbare Essensreste in Gruben oder an anderen eigens dafür bestimmten Plätzen entsorgt wurden. So konnten die Wölfe vergleichsweise bequem an Nahrung gelangen. Sie folgten also den Nomadenstämmen und hielten sich auch bei beginnender Sesshaftwerdung des Menschen in dessen Nähe auf. Während manche Tiere sehr scheu waren, verloren andere ihre Scheu mehr oder weniger und ließen sich mit der Zeit sogar anlocken oder versuchten, durch eine “Überfalltaktik” Nahrung zu stehlen, wenn sie eine Chance dazu sahen. Sie gewöhnten sich also an die Nähe des Menschen. Der steinzeitliche Mensch seinerseits erkannte, dass auch er von der Nähe des Wolfes profitieren könnte. Zum Einen vertilgte der Wolf übelriechende Nahrungsreste und trug damit zu Hygiene und Wohlbefinden bei, andererseits nahmen sicherlich auch steinzeitliche Jäger bisweilen einzelnen Wölfen und kleineren Rudeln deren Beute ab oder ließen sich (vom Wolf natürlich unbeabsichtigt) von ihnen zu guten Jagdgründen führen. Dadurch war der Wolf nicht mehr einfach nur Nahrungskonkurrent, sondern konnte sich als Partner bei der Jagd etablieren. Durch Auffüttern verwaister oder ausgegrabener Wolfswelpen konnte der Mensch seine Beziehung zum jeweiligen Tier verbessern und es für das Zusammenleben mit dem Menschen sozialisieren, wodurch sich verschiedene Formen der Zusammenarbeit erheblich verbessern ließen. Zum Auffüttern wurden dazu z.B. junge Schweine, Wölfe oder andere zu domestizierende Tiere anfangs an der weiblichen Brust genährt, im weiteren Verlauf dann mit vorgekauter Nahrung versorgt und so mehr oder weniger stark auf den Menschen geprägt.

Zu sehen beispielsweise schon ca. 1937/1938 in der UFA-Dokumentation von Otto Schulz-Kampfhenkel „Rätsel der Urwaldhölle“ (YouTube).

Bei einigen Urwaldvölkern ist dieses Vorgehen auch heute noch üblich.

Die 2. Stufe der Domestikation ist die züchterische Selektion zur Erhöhung des Nutzens. Das heißt nichts anderes, als die Festlegung spezifischer Zuchtziele. Dabei muss berücksichtigt werden, welche Eigenschaften und Fähigkeiten die zur Zucht eingesetzten Tiere von sich aus bereits mitbringen, weil man durch Zuchtauswahl natürlich nur verstärken kann, was bereits vorhanden ist. Indem man nun immer diejenigen Tiere miteinander verpaart, bei denen die gewünschten Eigenschaften besonders stark ausgeprägt sind, kann man diese im Laufe der Zeit verstärken.

Beispiele:

Kanarienvogel
Der Kanarienvogel oder „Harzer Roller“ hat einen ausgesprochen feinen Geruchssinn. Man züchtete ihn deshalb vorwiegend für den Bergbau, wo die Kanarienhähne die Bergleute mit ihrem Gesang vor aufkommendem Gas warnten. Die züchterische Selektion brachte einen besonders lauten und melodiösen Gesang hervor, damit diese lebenswichtige Warnung nicht so leicht überhört werden konnte. Sobald der Harzer Roller seinen Gesang einstellte, war es höchste Zeit für die Bergleute, sich in Sicherheit zu bringen!

Rinder
Hier gab es verschiedene Zuchtziele, je nach beabsichtigter Verwendung, wobei immer die Mehrfachnutzung möglich war, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Fleischrinder, Milchvieh oder Zugvieh.

Noch viele solche Beispiele könnten hier aufgeführt werden, aber es soll ja um den Hund gehen. Was heißt das also bezogen auf unseren Haushund?

Die Ahnen des Hundes brachten Eigenschaften mit, die dem prähistorischen Menschen von großem Nutzen sein konnten:

Jagdtrieb, Rudelverhalten, Territorial- oder Revierverhalten.

Aus diesen drei Eigenschaften lassen sich viele  Fähigkeiten unseres heutigen Hundes ableiten.

Jagdverhalten hat viele Facetten und beinhaltet u.A.

  • Aufstöbern von Beute,
  • Stellen der Beute,
  • Zusammentreiben von Beutetieren und Abteilen eines einzelnen Beutetieres aus einer Herde,
  • Jagen in der Gruppe und somit die Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Rudelmitgliedern,
  • Töten der Beute,
  • Verteidigen der Beute.

Zum Rudelverhalten gehört

  • Rangordnungsgefüge mit Verhaltensnormen und Rollenverteilung,
  • mehr oder weniger ausgeprägtes Repertoire kommunikativer Fähigkeiten (Körpersprache usw.)
  • Zusammengehörigkeitsgefühl inkl. Verteidigungsbereitschaft gegenüber Nicht-Rudelmitgliedern,
  • Teilen der Nahrung,
  • gemeinsame Aufzucht und Sozialisation der Nachkommen,

Territorial- oder Revierverhalten beinhaltet

  • Markierung und Verteidigung des Jagdreviers und Lagerplatzes des Rudels, sowie der Nachkommen.

Einzelne Skelettteile nachweislich domestizierter Vorfahren des Hundes konnten bereits für die Zeit vor ca. 36.000 Jahren (Höhle von Goyet, Belgien) und 33.000 Jahren (Altai, Sibirien) urgeschichtlich und erbgutanalytisch nachgewiesen werden. Eine Domestikation des Haushundes in größerem Umfang wird für den Zeitraum von vor 18.000 bis 32.000 Jahren angenommen, bzw. belegt. (“Hundeschule Europa”, 05.11.2013 in: Wissenschaft aktuell)

Je nach Verwendung des Hundes wurden im Laufe der Jahrtausende unterschiedliche Gebrauchs-Eigenschaften selektiert, denn selbstverständlich kann man keinen Hund zur Jagd verwenden, der die Beute auffrisst noch bevor der viel langsamere menschliche Jäger zur Stelle ist oder der aufgrund seines eigenen stark ausgeprägten Dominanzverhaltens nicht bereit ist, sie dem menschlichen Jäger zu überlassen.

Auch kann man keinen Hütehund gebrauchen, der gemeinsam mit den anderen Hunden die Schafe zusammentreibt, um anschließend ein einzelnes abzuteilen und zu erlegen.

Warum haben Hunde ein unterschiedliches Aussehen?

Hunde können, wie alle anderen Tiere auch, einen unterschiedlichen Körperbau aufweisen. Selbstverständlich ist ein großer zartgliedriger Hund wesentlich schneller und eignet sich also besser zur Jagd auf schnelles, aber wenig wehrhaftes Wild (z.B. Greyhound). Will man aber einen Hund, der die Schafherde vor Wölfen oder Bären schützt, muss man schon einen sehr kräftigen Hund züchten, der mit anderen Hunden im Team arbeitet, sonst hat er keine Chance (z.B. Maremmano, Çoban Köpeği ). Allerdings kann man mit solchen Hunden keine Füchse oder andere Tiere (z.B.Dachse) jagen, die Erdbauten bewohnen. Für diesen Zweck muss man also sehr kleine Hunde haben (z.B. Teckel).

Schlappohren bieten gerade bei der Jagd z.B. auf Feldern oder in dichtem Unterholz/Gestrüpp einen gewissen Schutz des Ohres vor eindringenden Fremdkörpern und sind deshalb bei praktisch allen klassischen Jagdhunden zu finden. Dagegen haben viele Hunde, die nicht zur Jagd eingesetzt wurden, Stehohren.

Im Laufe der Jahrhunderte brachte die Zucht mehr oder weniger zufällig auch unterschiedliche Farben und Felleigenschaften hervor, die dann weiter gefestigt wurden. Viele Hüte- und Herdenschutzhunde sind weiß, damit der Hirte sie jederzeit gut von Wölfen unterscheiden kann und nicht versehentlich erschießt. Ein schwarzer Hund kann dagegen gut nachts arbeiten. Seine Farbe bietet ihm eine gewisse Deckung.
Ein dickes Fell kann einem Hund Schutz vor Witterungseinflüssen oder in Auseinandersetzungen mit Raubtieren bieten, wogegen ein kurzes Fell z.B. das Einschliefen in einen Kaninchen- oder Fuchsbau erleichtern kann. Bei der Jagd in dichtem Gestrüpp verfängt es sich nicht.

Was ist nun mit dem Spitz?

Der rd. 2000 Jahre alte sog. Darmstädter Spitz

Der rd. 2000 Jahre alte sog. Darmstädter Spitz

Der Spitz ist wohl eine der ältesten Hunderassen der Welt und wird üblicherweise direkt auf den Pfahlbauspitz (Canis palustris familiaris Rütimeyer), einer Gruppe von Hunden der Mondseekultur (3800 bis 3300 v. Chr.) zurückgeführt. Genau genommen handelt es sich dabei um die Gruppe der Spitzartigen, die unzählige verschiedene Hunderassen umfasst. Zu ihnen gehören unter Anderem Chow Chow, Akita Inu, Shiba Inu, Norwegischer Buhund, Karelischer Bärenhund, Lundehund, Norwegischer Elchhund, Finnenspitz, finnischer und schwedischer Lapphund, Samojedenspitz, die Laika mit etlichen Unterarten, Sibirian Husky, Alaskan Malamute, Grönlandhund, Västgötaspets (Westgotenspitz), Volpino Italiano, Kanaan Hund, Deutscher Spitz u.v.m.

Diese Abstammung wird zwar in der Zwischenzeit angezweifelt (mir persönlich ist weder der genetische Nachweis, noch dessen Widerlegung auf Basis wissenschaftlicher Arbeiten bekannt) – jedoch sind bereits für die Altsteinzeit verschiedene Arten von Hunden nachgewiesen und die Frage ist natürlich, ob es für den heutigen Hundehalter wirklich von vordringlicher Bedeutung ist, ob sein Hund nun vom Torfhund, vom Aschehund, vom Altaihund oder einer anderen Rasse der Alt- oder Jungsteinzeit abstammt. Aus meiner persönlichen Sicht ist es wesentlich wichtiger, etwas über die teilweise jahrtausendelange Verwendung, sowie die damit verbundene züchterische Selektion und Eigenschaften der Hunderasse zu wissen, deren Vertreter man an der Leine hat.

Der Deutsche Spitz ist in seinen vordringlichen Eigenschaften ein Wachhund.

Nun macht es aber wenig Sinn, einen Hund als Wachhund einzusetzen, der die eigenen Hühner oder Enten frisst. Ebenso unbrauchbar ist ein Hund, der im Feld nebenan zwei Hasenohren sieht und voller Jagdeifer den Hof verlässt.

Neben besonders ausgeprägter Wachsamkeit sollte ein solcher Hund also möglichst keinen Jagdtrieb haben. Allerdings muss das Territorialverhalten dieses Hundes besonders im Vordergrund stehen, damit er das ihm zugewiesene Territorium nicht verlässt und bei Bedarf auch entsprechend verteidigt. Diese Eigenschaften finden wir im Spitz wieder.

Das fehlende Jagdverhalten der Deutschen Spitze spielte insbesondere im Mittelalter eine wichtige Rolle. Zu dieser Zeit legten die Adeligen besonderen Wert darauf, dass ihr Wildbret ihnen erhalten blieb und nicht auf den Tischen der ärmeren Untertanen landete. Da aber Bauern selbstverständlich zu Recht einen Hund zur Bewachung des Hofes beanspruchten, wurde den jagdtauglichen Hunden in aller Regel ein Lauf gebrochen oder auch abgehackt. Alternativ wurden die Hunde gebüngelt, bzw. gebötelt. Das hieß, dass dem Hund ein 3 Finger dicker Knüppel an den Hals gebunden werden musste, der in der Länge der Größe des Hundes entsprechen musste. Zusätzlich wurden evtl. vorhandene Schlappohren be- oder abgeschnitten, so dass die Verwendung dieser Hunde zur Jagd immer eine hohe Verletzungsgefahr für die Hunde darstellte (und man konnte in früheren Zeiten in einem solchen Fall ja nicht mal eben zum Tierarzt um die Ecke gehen). Vielfach gingen die Lehnsherren dazu über, den kleineren Bauern und Köttern einen Deutschen Spitz zu schenken, weil dieser eben nicht jagte.

Ein guter Wachhund muss sich seinem Herrn selbstverständlich zu unterwerfen bereit sein, aber in Abwesenheit seines Herrn auch selbständig Entscheidungen in dessen Sinn treffen können. Dementsprechend finden wir im Spitz einen äußerst anhänglichen, aber auch selbstbewussten und manchmal eigensinnigen, zuweilen sogar dickköpfigen Gesellen.

Eindringlinge werden unverzüglich lautstark gemeldet und in der Regel gestellt, bis der Hundebesitzer dazukommt und entscheidet, wie weiter zu verfahren ist.

Auszug aus: Oekonomische Encyklopädie, J.G. Krünitz (erschienen: 1773-1858)

Während bei den früheren Jagdgesellschaften die Gäste ihre eigene Hundemeute gern mitzubringen pflegten und diese Hunde dementsprechend nicht nur gegenüber anderen Menschen führig sein und mit fremden Hunden zusammen arbeiten mussten, wäre dem Bauern mit einem Wachhund, der auf ein anderes Kommando als das seines Herrn hört, ein rechter Bärendienst erwiesen. Daraus resultiert die Eigenschaft des Spitzes, normalerweise nur auf einen einzigen Herrn, allenfalls noch auf dessen Familienmitglieder zu hören.

Hier findet sich ein sehr deutlicher Unterschied zu vielen heutzutage zum “Wachen” verwendeten Hunden, die das „Wachen“ mehr oder weniger stark erlernen, von ihrer ursprünglichen Verwendung her aber keine züchterische Selektion auf das Wachen als vordringliche Eigenschaft durchlaufen haben. Die meisten dieser Rassen entstanden sehr viel später aus Hüte- und Jagdhunden. Sie haben darum keine so ausgeprägte Reserviertheit gegenüber Fremden wie ein Hund, der als Wachhund gezüchtet wurde. Der Spitz differenziert zwar und lässt sich im Beisein seines Herrn gern von Freunden des Hauses anfassen oder begrüßt sie sogar. Ist sein Herr aber nicht anwesend, wird er auch jeden Freund des Hauses behandeln wie einen Fremden. Das hat nichts mit Falschheit zu tun, die dem Spitz nur allzu gern nachgesagt wird, sondern ist ein Zeichen seiner unbestechlichen Treue gegenüber seinem Herrn!

Alte Postkarte

Alte Postkarte

Wer versucht, einen Spitz zu stehlen, wird im Normalfall keine Freude an ihm haben. Wenn er nicht gerade einen Herrn hatte, der ihn aufs Übelste misshandelt hat, wird er sich innerhalb kürzester Zeit seinen Weg zurück bahnen, notfalls auch unter Einsatz seiner Zähne. Darum sollte ein Spitzbesitzer seinen Hund frühzeitig daran gewöhnen, mit bestimmten anderen Personen auszugehen oder bei ihnen zu bleiben, sonst könnte er bei einem Krankenhausaufenthalt oder Urlaub ohne Hund eine böse Überraschung erleben. Auch sollten alle Familienmitglieder anwesend sein, wenn ein kleiner Spitzling in sein neues Zuhause einzieht. Später dazukommende Kinder allerdings beschützt und behütet er fanatisch.

 

Alte Postkarte

Alte Postkarte

In früheren Zeiten gehörten zu den Einbrechern und Dieben auf den Höfen keineswegs nur Zweibeiner. Auch Ratten, Mäuse, Wiesel, Fuchs und nicht zuletzt streunende Hunde und Katzen, die sich an den Gütern des Bauern gütlich tun wollten, mussten vertrieben oder getötet werden. Deshalb ist der Spitz auch nicht grundsätzlich freundlich gegenüber anderen Hunden. Ihnen gegenüber verhält er sich ebenso zurückhaltend, manchmal auch abweisend, wie fremden Menschen gegenüber. Die beim Spitz (außer bei Ruhe, schlechter Laune oder Krankheit) im Normalfall hoch auf den Rücken geringelte buschige Rute signalisiert insbesondere fremden Hunden bereits aus der Ferne, dass sie es mit einem selbstbewussten dominanten Artgenossen zu tun haben (im Gegensatz zur eingeklemmten Rute eines unterwürfigen Hundes, die seine am After gelegenen Duftdrüsen bedeckt) und macht einen nicht unwesentlichen Anteil seines respekteinflößenden Eindrucks auf wesentlich größere Hunde aus. Außerhalb seines Reviers ignoriert der Spitz andere Hunde vielfach völlig, in seinem Revier hängt es davon ab, ob sie von seinem Herrn „eingeladen“ wurden. Und Gnade Gott dem Hund, der eine zum Hof gehörende Katze oder ein Huhn jagt! Dabei hat der Spitz ein hervorragendes Gedächtnis und wird diesen Eindringling auch nach vielen Jahren noch wiedererkennen und wütend verfolgen.

Altes Bilderbuch

Altes Bilderbuch

Berücksichtigt man die finanzielle Lage der Bauern und Kötter früherer Zeiten, so wird auch klar, dass sie häufig kaum in der Lage waren einen großen Hund oder gar mehrere Hunde zu ernähren.

Pommerscher Hütespitz

Pommerscher Hütespitz

Also musste der Spitz den Bauern auch beim Treiben des Viehs unterstützen. Er durfte dabei in seinen Fähigkeiten keineswegs auf Schafe beschränkt sein (hier ist noch der weiße Pommer´sche Hütespitz zu erwähnen, der als besonders guter Hüter von Schafherden in ganz Europa bekannt und berühmt war und zu den Ahnen des weißen Schäferhundes, aber auch des Shelties u.a.m. zählt), sondern musste auch Rinder oder Schweine treiben können. Da Rinder und Schweine aber durchaus sehr durchsetzungsfähig und selbstbewusst sind, gerade gegenüber dem im Vergleich doch recht kleinen Spitz, musste der Spitz den sogenannten Hackenbiss beherrschen – eine praktisch unabdingbare Fähigkeit zum Hüten dieser Tiere. Heute beherrschen nur noch sehr wenige alte Hütehund-Rassen diesen Hackenbiss, z.B. der Harzer Fuchs oder der Westerwälder und Siegerländer Kuhhund.

So klein er ist - er setzt sich durch!

So klein er ist – er setzt sich durch!

Wer dem Spitz diese Fähigkeit, die ihn eigentlich als sehr alten und vielseitigen Hütehund auszeichnet, heute als Unart vorwirft, dokumentiert eigentlich nur sein eigenes Unwissen. Da der Spitz ein äußerst intelligentes und erfinderisches Kerlchen ist, findet er meist schnell heraus, dass sich dieser Hackenbiss nicht nur zum Treiben vierbeiniger, sondern auch zum Treiben zweibeiniger Rindviecher wunderbar eignet. So what?

Die unbedingte Treue des Spitzes prädestiniert ihn nicht nur zum zeitweise alleinigen Bewacher eines Hofes. Ebenso gern begleitet er seinen Herrn überall hin, wenn er darf. So hat er in früheren Zeiten auch das fahrende Volk begleitet. Gerade die fliegenden Händler waren froh über diesen wachsamen „kleinen Teufel“ (so wurde er früher oft genannt) oder „Fuhrmannsspitz“, der Diebe fernhielt und mit seinen Kunststückchen mögliche Käufer anlockte. Dabei saß der Spitz manchmal auf dem Kutschbock oder lief neben dem Wagen her. Der erklärte Lieblingsplatz dieser Spitze aber war meist der Rücken des Zugpferdes, den der sprunggewaltige kleine Kerl direkt vom Boden ansteuerte. Dieser Platz war auch im Winter gemütlich warm und bot ihm den gewünschten Ausblick. Auch heute noch begleitet der Spitz gern Pferd und Wagen und wenn die Pferde es gewohnt sind, sitzt er gern auf ihrem Rücken. Wer den Spitz nicht kennt, wird sich wundern, wie schnell er ist. So mancher Jagdhund kommt da nicht hinterher!

Circus Antoni

Mit frdl. Genehmigung:
Circus Antoni

Seine außerordentliche Neugier und Gelehrigkeit, sowie sein sicheres Auftreten brachten den Spitz auch in die Zirkus-Manege. Gerade im kleinen Wander-Zirkus saß das Geld nie locker und so war dieser Hansdampf-in-allen-Gassen mehr als willkommen. Er hielt nicht nur die Ratten und Mäuse kurz, die sich in jeder Tierhaltung gern und schnell einfinden, und ernährte sich teilweise davon, sondern schreckte gleichzeitig Diebe ab und machte auch als Artist eine gute Figur. Diese Kombination war natürlich ausgesprochen preiswert. Sein Kollege, der Pudel, war zwar weniger dickköpfig, vergaß aber über die Kunststückchen nur allzu gern einmal seine anderen Aufgaben.

Gerade wenn man Kinder hat, die gern mit dem Hund spielen (wobei ihnen der Unterschied zwischen einem Spielzeug und einem Spielgefährten klar sein sollte!) und ihm Kunststückchen beibringen wollen, ist der Spitz unglaublich begeisterungsfähig. Aber auch für Erwachsene, die gern Agility oder Dogdancing mit ihrem Hund machen möchten, ist der sehr temperamentvolle Spitz bestens geeignet.

Circus Liliput

Mit frdl. Genehmigung:
Circus Liliput

Durch seine Gelehrigkeit und Verspieltheit hat sich der kleine Spitz auch in die Salons der feinen Damen eingeschlichen, wo er als „Pommer“ oder „Pomeranian“ die Herzen im Sturm eroberte. Denn so entschlossen der Spitz auch als Wachhund ist, so  charmant kann er auch jeden um seine Pfote wickeln. Doch Vorsicht! Sein Charme ist Mittel zum Zweck. Denn was er nicht mit Charme erreicht, das holt er sich auf anderen Wegen. Notfalls stibitzt er auch, was er haben möchte. Nicht umsonst verhaut die Witwe Bolte bei Wilhelm Busch zuerst einmal den Spitz! Nach über zwanzigjähriger Haltung von Spitzen bin ich mir sicher, dass mindestens die Hälfte der geklauten Hühner auf das Konto des Spitzes gehen.

Ein bisschen Humor und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, sollte man also schon mitbringen, wenn man sich so einen raffinierten Kerl ins Haus holt!

Der kleine Pommer wurde ungefähr ab dem 18. Jahrhundert häufig in die Rasse der Zwergspaniel eingekreuzt. Aus dieser Kombination entstand schließlich der auch heute noch recht beliebte Papillon, dem der kleine Spitz all seinen Mut, sein Temperament, seine Wachsamkeit und Liebe zur Mäusejagd in die Wiege legte. Gelegentlich ist es schon vorgekommen, dass aus einer reinrassigen Zwergspitz-Zucht Papillons entstanden sind und umgekehrt – Oops!

Auch in viele andere Hunderassen ging der Spitz ein oder die ganze Rasse geht auf die Spitze zurück, z.B. Sheltie, Welsh Corgis usw.

Alter Druck

Alter Druck

Spitze gab es in zwei Größenschlägen: groß und klein. Bei Beiden waren seit jeher verschiedene Farbschläge vorhanden. Es gab sie in weiß, schwarz, grau (blau), braun, orangerot, gescheckt und isabell (Diese Farbbezeichnung wird zurückgeführt auf das Hemd der Infantin Isabella Clara Eugenia von Spanien, die gelobte, ihr ursprünglich weißes Hemd ncht eher zu wechseln, als bis ihr Ehemann, der Erzherzog Albrecht VII von Habsburg, von der Belagerung Ostendes zurück sei. Da die Belagerung 3 Jahre. 3 Monate und 3 Tage dauerte, kann sich wohl jeder lebhaft vorstellen, welche Farbe ihr Hemd hinterher gehabt haben mag!). Während die Farbe bei den kleinen Spitzen keine besondere Bedeutung hatte, hatten die großen Spitze je nach Farbe unterschiedliche Verbreitungsgebiete und Eigenschaften. Das liegt nicht daran, dass bestimmte Eigenschaften genetisch an die Farbe gekoppelt wären, sondern in der unterschiedlichen Verwendung der Hunde. Der weiße Spitz hatte sein Verbreitungsgebiet hauptsächlich im nord- und mitteldeutschen Raum. Er war ein typischer Bewacher des Hofes und wurde sehr stark zum Hüten von Schafherden eingesetzt (Pommer´scher Hütespitz). Wie schon erwähnt, ist die weiße Farbe für einen Hütehund von besonderer Bedeutung, weil er so leicht auch auf große Entfernung und im Dunkeln vom Wolf unterschieden werden kann. Der weiße Spitz und seine Spielart, der isabellfarbene Spitz, ist im Normalfall nicht ganz so cholerisch wie seine schwarzen Vettern. In diesen Farbschlag werden seit einigen Jahren aus den USA importierte American Eskimo Dogs eingekreuzt, die zwar im Ursprung auf den Deutschen Großspitz zurückgehen, aber inzwischen diverse Einkreuzungen anderer Hunderassen über sich ergehen lassen mussten. Diese Hunde haben insbesondere eine vollkommen andere Fellstruktur und -qualität. Dennoch werden sie vom Verein für Deutsche Spitze “der Einfachheit halber” zu Deutschen Großspitzen umgeschrieben, obwohl es keine sind. Vernünftiger wäre es gewesen, sie als “American Eskimo Dogs” zu belassen, aber eine gezielte und wohlüberlegte Einkreuzung zu erlauben.

Die schwarzen Großspitze waren vor allem in den süddeutschen Weinanbaugebieten stark verbreitet. Tagsüber bewachten sie den Hof und nachts wurden sie in die Weinberge geschickt. Darum wurden die schwarzen Großspitze früher vielfach als Weinberg- oder Rebspitze bezeichnet. Zu den wichtigsten Räubern in Weinbergen aber gehören Wildschweine, die heute als die gefährlichsten einheimischen Tiere angesehen werden müssen. Wildschweine sind nicht nur für Hunde prinzipiell lebensgefährliche Gegner. Dazu muss man anmerken, dass ein großer Hund aufgrund seiner eigenen Masse gegenüber einem kleinen insofern im Nachteil ist, dass ein kleinerer Hund wesentlich flinker und wendiger ist. Speziell in Weinbergen kann der Spitz schnell mal zwischen den Reben hindurch huschen. Nicht nur seine mittlere Größe, sondern auch sein schwarzes dichtes Fell bieten ihm im Dunkeln guten Schutz vor den gefährlichen Hauern der Wildschweine. Der schwarze Großspitz ist aufgrund seiner Arbeit in den Weinbergen der wohl schneidigste. Da er insbesondere um Mannheim herum besonders gern gezüchtet wurde, nannte man ihn auch „Mannheimer Spitz“. Eine Spielart des schwarzen Großspitzes , der immer schon seltene blaue oder graue Spitz (Im Prinzip nur ein schwarzer Spitz mit starkem Aufhellungsgen, meist als Ergebnis starker Inzucht), galt als noch schärfer und wurde gern zur Bärenjagd in Russland und Sibirien verwandt. Dort hat er die Bären nicht im eigentlichen Sinne gejagt, sondern gestellt und verbellt, so dass sein Herr den Hund samt Bären leicht auffinden konnte.

Sehr altes Foto eines braunen Großspitzes

Sehr altes Foto eines braunen Großspitzes

Der braune Spitz war ebenfalls vor allem im süddeutschen Raum verbreitet. Er galt lange Zeit als ausgestorben. Allerdings gibt es inzwischen Rückzüchtungen aus braunem Mittelspitz und schwarzem Großspitz (Der Größenschlag des heutigen Mittelspitzes kann im Ursprung ohnehin überwiegend dem früheren großen Spitz zugeordnet werden) im Jahr 2008, sowie im Jahr 2011 den ersten braunen Großspitz, der durch Rückkreuzung auch aus den schwarzen Großspitzen gezüchtet werden konnte.

 

Orangener Großspitz Eddy (14 Jahre)

Orangener Großspitz Eddy (14 Jahre)

Der orangerote Großspitz war hauptsächlich in Westfalen und Norddeutschland verbreitet und galt als ständiger Begleiter der Bettler. Den Zusammenhang habe ich bislang ebenfalls nicht klären können. Möglicherweise könnte dies aber der Grund dafür gewesen sein, warum er bei Gründung des Vereins für Deutsche Spitze nicht in den Standard aufgenommen wurde. Sachdienliche Hinweise hierzu nehme ich gern entgegen!

Im Hunsrück hielt man den Spitz früher gern zusammen mit dem Hovawart im „Dream-Team“. Auch dieser sehr alte Hofwächter, denn nichts anderes bedeutet sein Name, konnte nur durch Rückkreuzungen vor dem Aussterben bewahrt werden.

Eine spezielle, eigene Gruppe der Deutschen Spitze bilden die Wolfsspitze. Sie waren ursprünglich mit den übrigen Deutschen Spitzen im Prinzip nicht nah verwandt (Seit etlichen Jahren werden sie allerdings zur Blutauffrischung insbesondere im osteuropäischen Raum in die Rasse der Großspitze vereinzelt gezielt eingekreuzt). Zwar fehlt ihnen im Normalfall ebenfalls der Jagdtrieb, jedoch haben sie eine völlig andere Fellstruktur als die anderen Deutschen Spitze. Ihr Haarkleid ist noch dicker und die Unterwolle nicht ganz so glatt (sieht vergrößert eher aus wie gekreppt). Sie waren noch bis vor 20 Jahren die größten unserer einheimischen Spitze (ursprünglich bis 60cm) und im Temperament um Einiges ruhiger.

Nach vielen Auseinandersetzungen mit ausländischen Spitzvereinen lockerte der Verein für Deutsche Spitze den Zuchtstandard dahingehend, dass die bis dahin eigenständige Gruppe der niederländischen Keeshonds integriert wurde. Der niederländische Keeshond hat eine im Vergleich zum ursprünglich kräftigen und robusten Wolfsspitz sehr zarte Statur und einen anders geformten kleineren Kopf. Nicht alle Freunde des Wolfsspitzes sind über diese Regelung wirklich glücklich, zumal über die Einzucht der Keeshonds auch die bei diesen verbreitete Fehlfunktion der Schilddrüse in die vorher zwar kleine, aber noch relativ gesunde Population der Wolfsspitze importiert wurde. Auch die Farbgebung der früher kräftig gefärbten Wolfsspitze verblasst zusehends. Wo vorher kräftige fast schwarze Masken und Marken waren, teilweise mit dunkelbraunem Einschlag, fehlt der braune Einschlag heute völlig, die Farben tendieren zur Kombination schmutzigweiß mit hellgrau. Wo vorher ein Wolfsspitz mit 46 cm Stockmaß als “Mickerling” galt, gilt er jetzt als Riese. Die neuerdings angezüchteten Fellmassen speziell beim Wolfsspitz lassen mich eher an Qualzucht denken als an einen pflegeleichten Begleiter. Aus dem ehemals imposanten und respekteinflößenden Hofwächter ist inzwischen ein kleines, hüpfendes Wollknäuel geworden. Nur sehr selten noch sieht man einen der wundervollen, nach altem Muster gezüchteten, Hofwächter. Da speziell auf dem Land der Wolfsspitz, im Gegensatz zum Großspitz, noch sehr verbreitet war und ist, hätte man möglicherweise besser daran getan, zur Erweiterung des kleinen Genpools die Zuchtzulassung von gesunden Hunden ohne Papiere zu vereinfachen und sie als Registertiere in die Zucht einzubeziehen.

So schneidig und selbstbewusst der Spitz nach außen hin auch ist, unter der rauhen Schale steckt ein weicher Kern! Seinem Herrn gegenüber ist er zart besaitet und er würde alles tun, um seinem Herrn zu gefallen. Diese Schwäche macht ihn gut erziehbar. Dennoch braucht dieser selbstbewusste Hund auch einen selbstbewussten und konsequenten Herrn! Dann kann er wie Butter zerfließen. Bei inkonsequenter Haltung dagegen macht der Spitz schnell, was er will und setzt seinen Dickkopf durch. Ich habe schon Kleinspitze erlebt, die schlecht geführt waren und eine ganze Familie von 5 Erwachsenen „strammstehen“ ließen und Großspitze, die in Nullkommanix die Führung eines 12-köpfigen Rudels verschiedener großer Hunde (Riesenschnauzer, Schäferhunde usw.) an sich gerissen haben!

Das dichte lange Fell des Spitzes machte ihn zu allen Zeiten wetterfest. Dabei ist es ausgesprochen pflegeleicht und schmutzabweisend. Außerhalb des Fellwechsels reicht es bei den meisten Spitzen völlig aus, sie einmal wöchentlich oder alle 14 Tage zu bürsten. (Ich selbst bürste meine Hunde meist nur einmal im Monat und sie sehen dabei trotzdem immer sehr gepflegt aus) Baden sollte man einen Spitz nur in Ausnahmefällen. Selbst dicke Schlammbäder fallen nach dem Trocknen ab, sobald der Spitz sich schüttelt.

Nachdem der Verein für Deutsche Spitze bereits verschiedene Farbschläge (isabell, blau, orange und gescheckt) des großen Spitzes aus unerfindlichen Gründen 1959 aus seinem Standard ausgeklammert hatte, wurden, damit auf Ausstellungen mehr Pokale vergeben werden konnten, auch die Größenschläge weiter aufgeteilt in insgesamt vier verschiedene Größen: Zwergspitz, Kleinspitz, Mittelspitz und Großspitz.  Dies führte zu einer weiteren Verkleinerung des genetischen Pools dieser Hunde. Durch akribisches Ausklammern von Hunden mit Abzeichen, die aber unleugbar im Genmaterial der Spitze verankert sind, aus der Zucht, verarmte der Genpool der großen Spitze so weit, dass die kläglichen Überreste verschiedener Farbschläge inzwischen fast sämtlich miteinander verwandt sind und aufgrund enger und zum Dogma erhobener Zuchtbestimmungen eine Auskreuzung kaum möglich ist. Man darf sich hier nicht durch die vom Verein für Deutsche Spitze angegebenen zunehmenden Anzahl der Großspitze täuschen lassen. Speziell bei den schwarzen Großspitzen unterscheiden sich die einzelnen Tiere genetisch nicht sehr viel mehr als Klone. Die Folge ist eine zunehmende Inzuchtdepression (eine meiner eigenen Hündinnen hatte schwerste Inzuchtschäden!), die die Geschichte dieser uralten, wertvollen und einst so verbreiteten Hunderasse wohl an dieser Stelle endgültig enden lassen wird, sofern sich nicht beherzte Züchter finden, die sich mit Verstand und zum Wohl des Hundes über solche Zuchtreglements hinwegsetzen.

E fructu cognoscitu arbor (Alte lateinische Weisheit) – An seiner Frucht erkennt man den Baum.

Bevor irgendwelche Missverständnisse aufkommen:

Selbstverständlich gibt es in diesem Spitzverein Züchter, die sich um gesunde Zucht bemühen! Nur werden diesen Züchtern aus völlig unverständlichen Gründen Steine in den Weg gelegt und es bleibt ihnen nur die Möglichkeit, unter allen Übeln das geringste auszuwählen.

Manche Vereinszüchter vertreten die Meinung, dass die Zuchtbedingungen des Vereins sich nur ändern können, wenn genügend gute Züchter im Verein sind, um solche Veränderungen herbeizuführen. Bis dahin machen sie, mehr oder weniger zähneknirschend, immer mehr Kompromisse.

Andere Züchter dagegen halten die Zuchtbedingungen des Vereins für nicht tragbar und sehen bei einem Verein, der sich seit mehr als einem halben Jahrhundert erfolgreich fast jeder kynologischen Erkenntnis verschließt, keine Chance mehr auf Veränderung, sondern sehen als einzige Konsequenz und Chance zur Erhaltung und Zucht gesunder Hunde die Zucht außerhalb des VfDSp. Sie züchten daher entweder offen als sog. Dissidenzzüchter oder haben inzwischen andere Zuchtverbände gegründet, die allerdings leider international nicht anerkannt werden,

Grundsätzlich muss man, wenn es um die Zucht in einem Verein geht, die Frage nach Zuchtzielen aufwerfen. Leider wird im VfDSp die optische Erscheinung des Hundes vollkommen überbewertet, Obwohl im Rasse-Standard Wesenseigenschaften festgelegt sind, spielen sie in der Praxis überhaupt keine Rolle. Das mag für die kleineren Spitze eine untergeordnete Rolle spielen – für die größeren Schläge sieht das anders aus. Mittel- und Großspitz (die ja ursprünglich eine Gruppe bildeten und nur aus Gründen der Pokalsüchtigkeit in diese beiden Größenschläge unterteilt wurden), sowie auch der Wolfsspitz wurden früher (heute leider nicht mehr) im VDH als Arbeitshunde geführt, die sie schließlich auch sind. Schaut man sich aber mal in der Welt der Arbeitshunde um, die auch als solche eingesetzt werden, so fällt auf, dass hier logischerweise auch vordringlich Arbeitseigenschaften bewertet werden und in der Zucht die ausschlaggebende Rolle spielen. Das Exterieur dieser Hunde ist wesentlich uneinheitlicher, weil niemand auf die unsinnige Idee käme, einen Hund mit hervorragenden Arbeitseigenschaften wegen eines Fellfleckchens oder eines Schlappohres aus der Zucht auszuschließen. Zu sehen beispielsweise bei den oben verlinkten alten Hütehundrassen, von denen so mancher (z.B. der Strobel) vom Unkundigen für einen Mischling gehalten werden dürfte oder auch bei Schlittenhunderennen. Die besten Teams unter den Schlittenhunden bestehen nämlich keineswegs ausschließlich aus nach Aussehen gezüchteten Huskies, sondern meist finden sich alle möglichen, auch schlappohrigen, braunäugigen und sonstwie aussehenden Hunde darunter, weil sie eben die für diesen Zweck erforderlichen Arbeitseigenschaften haben.

Und weil eben seine hervorragenden Arbeitseigenschaften dem Spitz seit Jahrtausenden Überleben und Auskommen gesichert haben, wäre es ein Jammer, ihn heute nur auf sein Aussehen zu reduzieren!

Deshalb heißt diese Seite “Warum der Spitz so ist, wie er ist” und nicht “Warum der Spitz so aussieht, wie er aussieht”!  ;)

4 Gedanken zu „Geschichte der Spitze

  1. Martina Titze

    Hallo,
    Herzlichen Dank für diesen informativen Text !!
    Ich bin seit fast 11 Jahren mit einem prächtigen Wolfsspitzrüden zusammen Der hat mich einiges gelehrt und ist ein pflegeleichter toller Begleiter mit einer ganz eigenen Persönlichkeit und unwiderstehlichem Charme.
    Er ist groß und hat eine dunkle Maske. Der Züchter ist T. Blau aus Goch.
    Viele Grüße Martina

    Antworten
    1. Monika Artikelautor

      Hallo Martina – Herzlichen Glückwunsch, der Beschreibung nach scheinst Du ja tatsächlich noch einen Wolfsspitz des sog. “alten Schlages” zu haben. Die sind leider immer seltener zu finden. Hier in der Nähe gibt es auch noch einen mit sicherlich fast 60 cm Stockmaß. Leider wurde er kastriert. Ein Jammer!
      Das Schönste ist, dass man sich in Zeiten, in denen sich zunehmend Wildschweine selbst in den Städten herumzutreiben beginnen, mit so einem schneidigen Kerl an der Seite auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht sorgen braucht, gell?

      Antworten
  2. Daniela

    Hallo
    Habe den Text voller Interesse gelesen und obwohl ich schon einiges über den Wolfsspitz gelesen habe, waren ein paar Informationen neu für mich. Auf jeden Fall bin ich sehr froh, mit einer Wolfsspitz-Dame (fast 6 Jahre alt) vom alten Schlag mein Leben zu teilen. Gebürstet wird höchstens alle 3-4 Wochen, falls ich es nicht vergesse. Bekomme immer wieder Komplimente zu hören, was für ein schöner und gepflegter Hund sie ist, was mir langsam schon peinlich wird. Vorallem wenn ich wieder vergessen habe sie zu bürsten…. Sie ist sehr auf Sauberkeit bedacht und putzt sich wie eine Katze. Sieht immer lustig aus, wenn sie sich mit angefeuchteten Pfoten das Gesicht wäscht…
    Spannend wird es wenn wir auf die kleinen hüpfenden Wollknäuel (Keeshond) treffen. Meine Kleine (über 50 cm gross) wird dann jedesmal geradezu hysterisch angekläfft, während sie ihre Verwandtschaft schweigend anschaut, als ob das Marshunde sind. Ich glaube, sie schüttelt innerlich den Kopf.
    Auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass Wolfsspitze vom alten Schlag normalerweise gesunde, kräftige Hunde sind und ihr Wachinstinkt ist grossartig. Meine Hündin ist weder ein Kläffer noch ein Wadenbeisser. Der Unterhaltungswert ist enorm. Sie weiss genau, wie sie mich zum Lachen bringen kann und freut sich immer diebisch, wenn sie es wieder geschafft hat. Eigentlich könnte ich den Fernseher abschaffen. Spitze sind besondere Hunde. Wenn man einmal sein Herz an einen verloren hat, dann ist es für immer.

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    1. Monika Artikelautor

      Hallo Daniela!
      Ein Wolfsspitz-Mädel vom alten Schlag! Das geht mir runter wie Öl!

      Die Komplimente der Umgebung zu meinen “so unglaublich gepflegten Hunden” kenne ich auch. Ich sage dann gern mal “Ja, ich habe die auch gerade vor einem Vierteljahr erst noch gebürstet!”. Die Blicke, die ich dann ernte, sind filmreif. Aber ich finde es auch ganz wichtig, den Leuten mal zu sagen, wie pflegeleicht Spitzens in Wirklichkeit sind. Viele schrecken nämlich nicht nur wegen der weit verbreiteten Vorurteile vor der Anschaffung eines Spitzes zurück, sondern auch, weil sie glauben, die müssten jeden Tag gebadet, gebürstet und was-weiß-ich-nicht-noch werden und allein mit der Fellpflege würde man sich einen Fulltime-Job zulegen.

      Deine letzten Sätze kann ich nur unterstreichen: Obwohl meine ersten Hunde ja keine Spitze waren, bin ich zu meiner ersten großen Liebe – den Spitzen – zurückgekehrt. Und um nichts in der Welt würde ich einen anderen Hund wollen!

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