Der „Vererber“

Der „Vererber“

Von Vereinszüchtern hört man immer wieder Aussprüche, dass irgendein Rüde ein besonders „guter Vererber“ sei – ein anderer vielleicht nicht. Registerhunde werden danach beurteilt, ob sie „gute Vererber“ sind…

Was ist damit gemeint?

Als „guten Vererber“ bezeichnet man vor allem Rüden, wenn diese an die Generation ihrer unmittelbar gezeugten Welpen ihre Eigenschaften gut weitergegeben haben. Entsprechend beurteilt man ganz besonders sog. Registerhunde nach ihren „Vererber“-Qualitäten, um sicher zu gehen, dass z.B. die registrierten Spitze nicht etwa Nachwuchs in die Welt setzen, der sich später als Dackel oder Dogge entpuppt.

Registerhunde sind Hunde, die unbekannter Herkunft sein können oder aber auch Abkömmmlinge von bekannten Hunden, deren Abstammung dem Verein nicht gefällt (denn sonst müsste er ja zugeben, dass auch außerhalb des eigenen Vereins teilweise wirklich ganz hervorragende Hunde gezüchtet werden) und die er deshalb lieber ignoriert und stattdessen gern eine „unbekannte Herkunft“ annimmt.

Was mich an dieser Sichtweise sehr irritiert, ist die Tatsache, dass bei der Beurteilung der Welpen praktisch ausschließlich die „Vererber“-Qualität eines einzigen Elterntieres im Focus des Betrachters steht. Tatsache ist aber doch, dass Welpen grundsätzlich das Produkt zweier Elterntiere sind – ist die Hundezucht denn immer noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen?

Es gibt Elterntiere, die in der Kombination beispielsweise lange verloren geglaubte Gene wieder ans Tageslicht befördern (wie beispielsweise das Auftauchen der braunen Farbe bei den schwarzen Großspitzen im Zwinger „von Kauthen Ruh“) In einer anderen Kombination werden die Nachkommen schwarzer Eltern plötzlich weiß, bzw. isabellfarben. An solchen Fällen sieht man deutlich, dass es nicht DEN „Vererber“ gibt, sondern es muss grundsätzlich berücksichtigt werden, dass beide Elterntiere daran beteiligt waren. Ebenso kann es Erbkrankheiten betreffen oder alle möglichen anderen Eigenschaften (Beispielsweise treten bei der Reinzucht von Zwergspitzen in seltenen Fällen auch mal hübsche kleine Papillonwelpen auf – oops! – die beiden Rassen wurden früher nämlich gern gekreuzt)

So betrachtet ist es faktisch falsch, bestimmte (positive oder negative) Merkmale der Welpen ausschließlich einem der beiden Elterntiere zuzuordnen.

Der Begriff des „Vererbers“ gehört, entsprechend den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, in die Antiquitäten-Kiste!