Pepper

Spitznamen: „Pepita“ und „All-you-can-eat“

Im Sommer 2006 wollte ich Pepper ursprünglich vermitteln. Sie ist eine sehr neugierige kecke Spitz-Mix-Hündin (vermutlich Border-Spitz-Terrier) und irgendwie blieb sie, wie das ja bei uns Spitz-Leuten wohl ab und zu vorkommen soll, bei mir einfach hängen.

Pepper kam, wie ich nach der Übernahme erfuhr, ursprünglich aus Spanien, wo sie freundlicherweise wohl aus einer Tötung gerettet wurde. Bei ihren großherzigen Rettern verbrachte sie dann die folgenden drei Jahre, bis sie von ihnen abgegeben wurde. Dies geschah aus der Erkenntnis heraus, dass man für sie nun, nach der Geburt des dritten Kindes, wohl etwas wenig Zeit habe. In diesen drei Jahren hatte sie ihren damaligen Namen (Lucy), das Kommando „Sitz“ und mehr schlecht als recht das Kommando „Platz“ gelernt.

Lucy 060615 04Nachdem sie hier war, lernte sie innerhalb weniger Wochen neben ihrem neuen Namen fast 20 verschiedene Kommandos. Sie ist ein sehr lerneifriges Mädchen und macht inzwischen Agility, läuft vorm Sacco-Cart und vieles mehr.

Hier sei mir die kritische Anmerkung erlaubt, dass es nicht damit getan ist, sich groß und edelmütig zu fühlen, weil man einen Hund aus irgendeiner Tötung rettet – man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass ein solches Tier viel Arbeit und Zeitaufwand bedeutet!
Darüber hinaus sollte man vielleicht nicht vergessen, dass es auch hier eine Menge Hunde gibt, die auf ein neues Zuhause warten…

Lucy 060615 18Es war nicht klar, ob Pepper kastriert wäre oder nicht, aber weil sie sich sooooo sehr bemühte, war es mir nicht so wichtig.

Ihr Fell sah nicht unbedingt Kastraten-typisch aus, weil es überwiegend aus Filz, Exkrementen und Ungeziefer bestand. Sie stank so entsetzlich, dass selbst meine anderen Hunde aufstanden und gingen, wenn sie sich daneben legte. Also habe ich das Mädel erst mal gewaschen, gebürstet, von Untermietern befreit und die Dame zum exzessiven Zähneputzen verdonnert (da war keine weiße Stelle mehr an den Beißerchen!).

OK – beim nächsten Fellwechsel dachte ich, das Schlimmste wäre vorbei. Dachte ich….

Das Fell blieb stumpf und zottelig. Trotz Distelöl und bester Pflege.

Wenn Pepper über eine Wiese rennt, bleibt die halbe Vegetation im Fell hängen und ist kaum wieder heraus zu bekommen. Eine echte Tortur für uns beide.

Pepper 060615 15Aber das ist nicht das einzige Problem. Das Mädel ist absolut lernwillig und versucht alles, um irgendwie ins Rudel zu passen. Aber irgendwie ist sie im Kopf ein Welpe geblieben. Obwohl sie sich alle Mühe gibt – Rangordnung ist und bleibt für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Sie führt sich auf wie ein frecher Welpe, der alles ausprobiert und dauernd über die Strenge schlägt, weil er seine Grenzen austesten muss. Nur – Pepper ist kein Welpe mehr und bekommt deshalb dauernd Stress mit den anderen Hunden. Immer wieder gibt`s was auf die Hörner und dann weiß sie nicht mal richtig, wie sie damit umgehen soll. Während der feste Platz in der Rangordnung für andere Hunde etwas ist, was ihnen Sicherheit vermittelt, kann Pepper nicht das Geringste damit anfangen und ist verunsichert. Sie versteht definitiv nicht, warum die anderen sauer auf sie sind. Man sieht ihr ihre Hilflosigkeit an.

Mit Instinkten ist es bei ihr auch nicht weit her. Seit rd. 30 Jahren habe ich nie einem Hund das Futter einteilen müssen. Alle Hunde hatten ständig Futter in ihren Näpfen und haben sich das selbst eingeteilt. Alle haben lieber viele kleine Mahlzeiten genommen und das ist ihnen wohl auch immer gut bekommen. Futterneid war bei meinen Hunden immer ein Fremdwort.

Seit Pepper hier ist, hat es das erste Mal Streit beim Futter gegeben. Gibt es auch ausschließlich mit ihr – nicht unter den anderen. Bei ihr könnte man einen 10 Kilo Futtersack hinstellen, sich um die eigene Achse drehen und der Inhalt ist verschwunden. Nein – sie ist kein Hund, der zaubern kann. Sie frisst bis zum Erbrechen. Danach frisst sie weiter, wieder bis zum K… usw. sie hört einfach nicht auf. Es ist offenbar kein Schalter dafür im Kopf. Das habe ich noch bei keinem anderen Hund erlebt! Sicher, wenn die Hunde aus keiner guten Haltung kamen, haben sie sich immer anfangs übers Futter hergemacht. Das hat dann aber wieder aufgehört.

Peppers Futternapf...

Peppers Futternapf…

Nachdem man Pepper nach zwei Wochen Aufenthalt hier zum Bahnhof hätte rollen können und kein Ende in Sicht war, habe ich zwangsläufig angefangen, sie an die Leine zu machen, solange die anderen fressen, zumal die anderen dabei auch die Ruhe weg haben und sie, nachdem sie in Sekundenschnelle alles heil heruntergeschluckt hat (und dadurch bedingt fast ständig übel riechenden Zahnstein hat), bei den anderen mitfrisst, bis die ihr die Löffel langziehen. Bei ihr muss man förmlich den Napf festhalten, damit sie ihn nicht unkontrolliert mitfrisst. Natürlich leidet sie sehr darunter, dass sie öfter am Tag für eine halbe Stunde festgemacht wird, aber anders geht es nicht!

Zusammenfassend kann man festhalten:

  1. Pepper hat das für uns beide nervigste und pflegeintensivste Fell, dass ich in 30 Jahren gesehen habe,
  2. sie eckt ständig im Rudel an, weil sie im Kopf nie erwachsen geworden ist,
  3. ihre natürlichen Instinkte sind gestört und
  4. sie leidet unter dieser Situation, weil sie sie nicht verstehen kann.

Gut, sie ist jetzt hier und hier soll sie auch bleiben. Weil ich ihr keinen weiteren Wechsel zumuten möchte und weil ich weiß, dass sie sich trotz alledem hier irgendwie zuhause fühlt. Pepper braucht andere Hunde und ist nicht geeignet für eine Einzelhaltung.

Aber ich frage mich fast täglich, ob es den Leuten, die sie keineswegs nur körperlich, sondern auch an ihrem Wesen, ihrer Seele verstümmelt haben, überhaupt je in den Sinn kommen könnte, was sie diesem armen Tier eigentlich angetan haben!? Für mich – und ich betone ausdrücklich, dass ich hier nur für mich rede – ist Tierschutz etwas Anderes.

Ich weiß definitiv, dass ich nie wieder einen Kastraten aufnehmen werde.

So ein frecher kleiner Fliegenschiss!!!

So ein frecher kleiner Fliegenschiss!!!

Von diesen Schwierigkeiten einmal abgesehen, ist Pepper allerdings eine feine Hündin. Manchmal muss man sie schon bremsen, weil sie zu zappelig ist.

Sie ist ein richtig frecher kleiner Fliegenschiss geworden, unglaublich anhänglich und für jede Schandtat zu haben!

Nachdem der kleine Anton alt genug war, sich unter Mama Gillas Aufsicht unters Rudel zu mischen, begann Pepper, ihn regelrecht zu pisacken und biss ihn. Das konnte Gilla selbstverständlich nicht dulden und so gab es immer heftigere Auseinandersetzungen, bei denen schließlich die erheblich größere und schwerere Gilla die kleine Pepita auf den Rücken drehte und bei der Kehle nahm. Zu allem Unglück kamen da aber bei Pepper offensichtlich die Terriergene durch (Vielen Terriern wurde die Fähigkeit weggezüchtet, zu beschwichtigen, weil sie bei Hundekämpfen eingesetzt wurden, wo das unerwünscht war) und statt zu beschwichtigen, wie ein anderer Hund es in dieser Situation getan hätte, knurrte und fixierte Pepper weiter und versuchte selbst aus dieser Rückenlage heraus noch, Gilla anzugreifen.

Im Grunde hat sich auch keine der Hündinnen falsch verhalten. Pepper war vermutlich eifersüchtig (Immerhin rutschte sie durch Anton noch eine Position weiter in der Rangordnung nach unten!) und sie hat sich in dieser Situation genau so verhalten, wie es ihr genetisch vorgegeben war. Das gilt für Gilla genauso. Als Rudelchefin und Mutter des Welpen hätte auch sie nicht anders reagieren können.

Schließlich blieb nichts anderes übrig, als Pepper zu ihrer eigenen Sicherheit vom Rudel zu trennen. Schweren Herzens entschloss ich mich, nach mehreren erfolglosen Versuchen, die beiden Mädels zu versöhnen, Pepper abzugeben.

Die meisten Interessenten hatten scheinbar geglaubt, so an einen „billigen“ Hund zu kommen. Obwohl ich eindeutig in der Annonce geschrieben hatte, dass Pepper einen äußerst agilen Dosenöffner suche, meldeten sich etliche Leute, bei denen ich mich gewundert habe, dass sie nicht schon während des Telefonats eingeschlafen sind. Aber: Warum sollte man bei der Abgabe eines Mischlingshundes weniger Ansprüche an den neuen Halter haben? Pepita ist eine wundervolle Hündin!!! Und sie ist kein bisschen weniger wert als ein reinrassiger Hund! Im Gegenteil: Sie hat das Rudel in vielerlei Hinsicht durch ihre unsägliche Begeisterungsfähigkeit sehr bereichert!

Doch wie sagt man? „Wenn der liebe Gott einem die Tür zuschlägt, hat er mit Sicherheit irgendwo noch ein Fenster aufgemacht!“

Auf der Suche nach einem geeigneten Deckrüden für Gilla lernten wir Tino und sein Frauchen kennen. Tino und Gilla mochten sich sehr, aber leider ergab die Röntgenuntersuchung, dass er einen zu schweren vererblichen Hüftschaden hatte. Nun hatten Tinos Besitzer eigentlich einen Welpen aus dem Wurf nehmen wollen, damit Tino nicht weiter ohne Artgenossen bliebe. Da er als Deckrüde ausschied, hatte Tinos Frauchen die Idee, es mit Pepper zu versuchen. Wir unternahmen einen Spaziergang mit den beiden und  – oh Wunder! – die beiden liefen miteinander, als hätten sie nie etwas Anderes gemacht!

So fand der kleine Wirbelwind nun doch noch ein ganz tolles neues Zuhause. Und da die Pepita dort eine ganz andere Stelle in der Rangordnung einnahm und ihre neuen Besitzer wirklich Ahnung von Hunden haben, konnte sie dort sogar einige Eigenschaften ablegen, mit denen sie sich hier im Rudel unbeliebt gemacht hatte. So hörte sie beispielsweise auf, vollkommen maßlos zu fressen.

Was in ihrem Vorleben alles schiefgelaufen ist, kann man nur an Hand ihrer Verhaltensweisen vermuten. Und glücklicherweise können auch ihre jetzigen Besitzer das hier begonnene Werk fortsetzen und die Konstellation mit Tino bekommt ihr besser als unser Rudel – Balsam für Peppers Seele!

Auch, wenn ich sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen ließ: Sie ist noch weiter aufgeblüht und es könnte ihr nicht besser gehen!

Und hier sind ein paar Bilder aus ihrem neuen Zuhause:

Tino und Pepper

Tino und Pepper

 

 

 

 

 

 

Im Garten

Im Garten

 

 

 

 

 

 

Aktion - freie Bahn für ein Energiebündel

Aktion – freie Bahn für ein Energiebündel

 

 

 

 

 

 

Ein bisschen knuddeln lassen....

Ein bisschen knuddeln lassen….

 

 

 

 

 

... und ausruhen!

… und ausruhen!

Mach’s gut – kleine Pepita!

Auch, wenn ich Dich ungern gehen ließ – ich weiß, dass es Dir jetzt richtig gut geht!

Ein Gedanke zu „Pepper

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