Achtung!!! Brandaktuell!!! (Update)

Update!

Für alle Spitzzüchter und -besitzer, die sich schon lange umfassende Informationen über die genetische Situation unserer Spitze wünschen im Sinne der schon vor Jahren durchgeführten Clusterstudie:

Das österreichische Labor Feragen bietet nun die Teilnahme an genau so einem Projekt (Diversitätsprojekt) an.

Die Teilnahme kostet demnächst nur noch 79,- Euro !!!

Weitere Informationen finden Sie hier: Diversitätsprojekt

Der Button „Jetzt Teilnahme sichern“ leitet auf die Kontaktseite des Labors weiter, da das ganze Projekt demnächst auf eine eigene Plattform umziehen wird.

Zur Zeit muss die Anmeldungen noch entweder via Mail erfolgen oder aber telefonisch

  • aus Deutschland über die Rufnummer 08654-6824430,
  • aus Österreich über die Nummer 0662 – 439383
  • und aus allen übrigen Ländern, je nachdem, wie es günstiger ist, entweder die Ländervorwahl für Deutschland oder Österreich zzgl. der entsprechend oben angegebenen Nummer.

Vorraussichtlich ab Ende Februar kann die Teilnahme dann auch direkt über die Plattform selbst gebucht werden. Ab März können die Ergebnisse dieses Projektes in anonymisierter Form (!) dort auch abgerufen werden.

 

Warum wäre es für die Spitzzucht von unschätzbarem Vorteil, wenn möglichst viele Züchter an diesem Projekt mitwirken würden?

Nachdem diese Informationen unter den Spitzzüchtern bereits zu Irritationen und den teilweise seltsamsten Vorstellungen und Mutmaßungen geführt hat, möchte ich hier einfach mal erklären, worum es dabei geht.

In diesem Projekt werden verschiedene genetische Informationen der Spitze genauer aufgeschlüsselt. Für die Zucht besonders bedeutsam sind beispielsweise solche Werte wie die Heterogenität (Mischerbigkeit) sowohl des einzelnen Hundes, als auch das Ausmaß der Heterogenität innerhalb der gesamten Zuchtpopulation. Die Heterogenität ist der wohl wichtigste Faktor, wenn es um Krankheits-Resistenz und Inzuchtgrad nicht nur des einzelnen Hundes, sondern auch der Rasse an sich geht.

Beispiel a)

Den meisten Spitzzüchtern dürfte das Problem der prcd-PRA inzwischen geläufig sein. So lange ein Hund ausschließlich Carrier, also heterozygoter Träger dieser genetischen Information ist, erkrankt er nicht. Aus diesem Grunde ist ja auch die Anpaarung eines Trägers ausschließlich mit einem prcd-PRA freien Zuchttier vorgeschrieben, weil dabei nie ein homozygoter, also reinerbiger Welpe entstehen kann, der die Krankheit dann ausprägen würde.

Beim Immunsystem kann man zwei verschiedene Komponenten unterscheiden: Eine ererbte Immunität und eine erworbene. Die Faktoren, die für die ererbte Immunität verantwortlich sind (Anlagen), verteilen sich ebenfalls auf zwei homologe Genstränge. Das bedeutet, dass auch sie homo- oder heterozygot vorliegen können. Je unterschiedlicher diese Informationen sind, desto besser ist das Tier vor Erkrankungen geschützt. Demzufolge ist also die Krankheitsresistenz des Tieres abhängig vom Grad der Heterogenität.

Auf die gesamte Zuchtpopulation bezogen heißt das: Je höher die Heterogenität der Zuchtpopulation insgesamt, desto besser ist sie nicht nur vor Erb-Krankheiten, sondern auch vor Infektionen und Autoimmun-Erkrankungen geschützt.

Das mag auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so bedeutsam erscheinen. Aber ähnliches, was wir Menschen z. Zt. mit den Coronaviren erleben, passiert auch unter Tieren. Ich habe selbst erlebt, wie die Parvovirose aufkam. Über diese Krankheit war nämlich zunächst praktisch nichts bekannt und sie verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit. Das Ergebnis waren tausende und abertausende toter Hunde innerhalb kürzester Zeit. Wo 2 Tage vorher noch eine ganze Horde putzmunterer Hunde und Welpen unterwegs waren, war plötzlich nur noch gähnende Leere und Verzweiflung, weil die Tiere der gesamten Zuchtanlage euthanasiert werden mussten.

Je kleiner eine Population und je höher der Grad der Homozygotie der Rassetiere untereinander ist, desto größer ist die Gefahr, dass sie praktisch über Nacht verschwinden kann!

Beispiel b)

Der Wert des Inzucht-Koeffizienten, wie er beispielsweise in der Spitz-Datenbank angegeben wird, ist ein rein rechnerischer (!!!) Wert und sehr ungenau. Er basiert auf der Annahme, dass alle Welpen eines Wurfes „genetisch gleich“ seien, was zu fatalen Trugschlüssen führen kann.

In molekulargenetischer Hinsicht können (nicht müssen!) sie jedoch so erheblich von einander abweichende Erbinformationen haben, dass sie selbst mit bestimmten (!) Wurfgeschwistern in jeder Hinsicht vollkommen gesunde Nachzucht hervorbringen können!

Es ist also möglich, reine Annahmen durch tatsächliche und reale Fakten zu ersetzen!

Beispiel c)

Eine wichtige Regel der Populationsgenetik besagt, dass der Grad der Homozygotie in geschlossenen Zuchtpopulationen ständig zunimmt. Und zwar umso mehr, je kleiner die Zuchtpopulation ist!

Gleichzeitig manifestiert sich zunehmend mehr die Genetische Drift. Unter Genetischer Drift versteht man Veränderungen des genetischen Materials, beispielsweise durch Mutation. Mutationen entstehen ständig – sie sind ganz normal und sogar überlebenswichtig. Viele, nicht alle, Mutationen entstehen vollkommen unbemerkt, sind aber die wichtigste Grundlage dafür, dass sich eine Population den ständig wechselnden Veränderungen seiner Umgebung anpassen kann. Sie können aber auch defekte Gene hervorbringen oder bestimmte Gene zum Verschwinden bringen.

Durch Steigerung der Inzucht (weil kein neues Erbmaterial durch Zuchttiere außerhalb dieser Population eingebracht wird), treten immer mehr Unterschiede in den Genen der Tiere auf und neue Mutationen können sich, je kleiner die Population ist, umso schneller und stärker ausbreiten.

Bezogen auf unsere Spitze bedeutet das:

Wenn beispielsweise im VfDSp keine oder nur wenig Registertiere in die Zucht kommen, verarmt die Population genetisch immer stärker und schneller. Für die Zuchtvereine außerhalb des VDH gilt das natürlich im gleichen Umfang.

Aber: Die einzelnen Zuchtpopulationen entwickeln sich dadurch gleichzeitig auch sehr unterschiedlich – driften also auseinander!

In diesem Projekt können also eine Vielzahl solcher Daten genauestens ermittelt werden (z. B. durchschn. Grad der Verwandschaft innerhalb der gesamten Zuchtpopulation, Veränderungen einer Population nach Implementierung neuer Gene durch Kreuzungszucht usw.), die gerade für die Zucht in einer so kleinen und seit langer Zeit im genetischen Flaschenhals befindlichen Population von unschätzbarem Wert und Nutzen sind, denn auf der Basis dieser Daten lassen sich nicht nur Probleme erkennen, sondern vor Allem optimale Zuchtstrategien entwickeln!

Je mehr Züchter sich daran beteiligen, desto aussagekräftiger wird die Studie!

Ebenfalls angedacht ist es, dass die Teilnehmer genauer festlegen können sollen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Daten ggf. zugänglich gemacht werden können. Damit ist gemeint, dass man beispielsweise festlegen kann, ob die Daten z. B. innerhalb des eigenen Zuchtvereins zugänglich sein könnten oder auch nicht. Denn mit diesen Daten ist gleichzeitig auch eine optimale Zuchtplanung möglich, indem man beispielsweise zur Belegung der eigenen Hündin einen genetisch möglichst weit entfernten Deckrüden wählen kann (= gengestützte Anpaarung). Die genauen Modalitäten hierzu werden aber noch abschließend geklärt und ich werde seitens des Labors auf dem Laufenden gehalten – hier also entsprechend auch weiter berichten.

Welche Angaben sind nun unbedingt wichtig, wenn man daran teilnehmen möchte?

Grundsätzlich sollte man, neben den Basisdaten, angeben, zu welcher Varietät des Deutschen Spitzes das übersandte Material gehört (z. B. Wolfs-, Groß-, Mittel-, Klein- oder Zwergspitz), welche Farbe der Hund hat und in welchem Verein man züchtet, bzw. ob man vereinsfrei züchtet. Da dieses Labor in Österreich ist, müssen die verschiedenen deutschen Vereine ggf. noch gelistet und in ein Auswahlmenü eingefügt werden.

So können die Daten nämlich beispielsweise nach unterschiedlichen Kriterien sortiert und gefiltert werden, damit man, auch wenn die Daten anonymisiert sind, erkennen kann, ob und ggf. in welchem Ausmaß sich beispielsweise die Wolfsspitze vom Verein XY durch die genetische Drift bereits von den Wolfsspitzen im Verein YZ entfernt haben oder wie sinnvoll es ist, einen Mittelspitz mit einem Großspitz anzupaaren, weil sie sich genetisch ausreichend unterscheiden, dass diese Anpaarung für die jeweiligen Varietäten/Größenschläge eine echte Bereicherung bringen. Man kann auch das Ausmaß der Homo-, bzw. Heterozygotie der Großspitze aus Verein AB mit dem der Großspitze aus Verein CD vergleichen oder denen eines anderen Farbschlages.

Sofern sich die Teilnehmer der früheren Clusterstudie bereiterklären würden, die daraus gewonnenen Daten zur Verfügung zu stellen, könnte man diese mit den aktuellen Daten vergleichen, daraus eine Menge Rückschlüsse ziehen, züchterische Interventionen der Vergangenheit auf deren Effektivität hin überprüfen und neue Zuchtstrategien auf der Basis realer Fakten (anstelle rein rechnerischer Annahmen) entwickeln.