Vorurteile

Als bei uns zuerst Susanne, später auch noch Otto einzog, war das nicht nur im Freundeskreis, sondern auch in der Nachbarschaft erst einmal gewöhnungsbedürftig.

Eine meiner Bekannten sagte mir bereits im Vorfeld, dass sie uns wohl nicht mehr besuchen kommen wolle, wenn ich mir einen Spitz ins Haus holen würde. In der unmittelbaren Nachbarschaft argwöhnte man, dass die doch ständig herumkläffen würden.

Daran sieht man sehr deutlich, welche Vorurteile dem Spitz leider seit vielen Jahrzehnten entgegenschlagen. Nachdem Suse und Otto eingezogen waren, kam meine Bekannte mich allerdings immer noch besuchen, weil sie zu ihrem Erstaunen feststellen musste, wie freundlich und vor Allem kinderlieb Spitze in Wirklichkeit sind. Der kleine Mischlingshund, den sie selbst sich viele Jahre später anschaffte, entsprach weit mehr dem Bild, dass sie fälschlicherweise vom Spitz gehabt hatte. Er war, vermutlich aufgrund schlechter Vorerfahrungen, äußerst bissig selbst gegenüber seiner eigenen Besitzerin und ihren Kindern.

Bei meinen Nachbarn dauerte es etwas länger mit der Einsicht. Sicher – ein Spitz meldet. Das ist nunmal seit Jahrtausenden seine Aufgabe. Aber wenn er meldet, dann hat er auch seinen Grund dafür. Zusätzlich, das muss man natürlich dazusagen, gibt ein Spitz auch zwischendurch gelegentlich(!!!) Laut. Das soll Vorübergehenden signalisieren, dass das Haus bewacht ist und das ist m.E. auch in Ordnung.

Nicht enden wollendes hysterisches Gekläff ist absolut nicht typisch für Spitze! (Mir persönlich fallen dazu eine Menge anderer Hunde ein, aber kein einziger Spitz) Allerdings gibt es mit Sicherheit unter den Spitzen ebenso falsch oder schlecht geführte Hunde, wie bei jeder anderen Hunderasse auch. Das Problem ist dann aber am anderen Ende der Leine zu suchen.

Zur damaligen Zeit bewohnte ich mit meiner Familie ein kleines Fachwerkhaus. In jeder Etage befand sich, abgesehen von der Diele, nur ein einziges großes Zimmer. Die Etagen waren verbunden durch eine Wendeltreppe mit durchgehenden Stufen. Suse war ein einziges Mal nach oben gelaufen und hatte sich danach nicht mehr hinunter getraut. Folglich ging sie nach diesem einen Mal dann auch nie wieder die Treppe hinauf. Otto hatte zwar mit beiden Richtungen keine Probleme, aber mir persönlich war es lieber, wenn die Hunde sich nur unten aufhielten. So brauchte ich mir keine Gedanken über Hunde in Kinderbetten zu machen.

Des Nachts lagen die Hunde im Normalfall vor der Haustür und verhielten sich absolut ruhig. Wenn sie ausnahmsweise doch einmal anschlugen, konnte ich sie immer mit einem einzelnen Zuruf beruhigen, nachdem ich mich mit einem Blick durch die Dachluke vergewissert hatte, dass nichts wirklich Schlimmes passiert war.

Eines Nachts schlugen Suse und Otto alle beide an. Ich sah aus der Dachluke nichts Beunruhigendes und wollte sie beruhigen. Aber sie ließen sich absolut nicht beirren und meldeten immer aufgeregter weiter. Nachdem mein Mann sich daraufhin angezogen und nach draußen gegangen war, sah er schon von Weitem, dass ein Stück die Straße hinunter auf dem Parkplatz ein Auto brannte und die Flammen schon lichterloh an der Hauswand unseres Nachbarn hochschlugen. Sofort riefen wir die Feuerwehr und unsere Nachbarn und ihre Kinder, deren Schlafzimmer alle an genau dieser Hauswand lagen und die tief und fest geschlafen hatten, kamen durch dieses frühzeitige Eingreifen ohne schlimmere Schäden davon.

Ab diesem Zeitpunkt waren unsere Spitze in unserer Straße hoch angesehen. Niemand anderes hatte das Feuer bemerkt und nur dem wilden Alarm unserer beiden vierbeinigen Helden war es zu verdanken, dass keine Menschen durch das Feuer zu Schaden oder gar ums Leben gekommen waren!

Das Vorurteil, dass Spitze „Kläffer“ wären, war ein für alle Male der Erkenntnis gewichen, dass ein ordentlicher Spitz nicht ohne Grund meldet und er als Wächter absolut zuverlässig, manchmal sogar lebensrettend ist!

Otto und Susanne - ein Dreamteam!

Otto und Susanne – ein Dreamteam!

5 Gedanken zu „Vorurteile

  1. Marita

    Sehr schöne Hunde und gute Aufpasser dazu. Ich finde diese Rasse wunderschön, ganz besonders die Großspitze. Früher gab es sehr viele Vertreter dieser Hunderasse in Deutschland. Die Tante meiner Mutter hatte einen Mittelspitz und meine Mutter hat als Kind oft mit ihm gespielt. Sie wurde nie gebissen, der Hund war ein Schatz und sie hat den Hund sehr lieb gehabt.
    Ich habe das Gefühl, daß alles Deutsche, und dazu gehören leider auch Hunderassen, mit Absicht schlecht geredet wird (seit Ende des 2.WK). Sowas ist einfach widerlich. Das Schlimmste ist aber, daß es so viele dumme Deutsche gibt die so etwas auch noch glauben. Diese Vorurteile gegen Spitze werden auch meist ohne Kritik hingenommen aber wehe jemand sagt was gegen die sog. Kampfhunde, dann stürzen alle auf einen los als ob man ein böser Mensch wäre. Pitbulls allerdings halte ich persönlich für wirklich nicht ungefährlich und vor allen Dingen für unberechenbar.
    Deutsche Schäferhunde werden schlecht gemacht, man sagt sie seien aggressiv und bissig, aber der belgische Schäferhund (Malinois) ist angeblich so toll und lieb. Anders herum wird ein Schuh draus.
    Der Malinois ist ein äusserst aggressiver Hund und mit dem deutschen Schäferhund überhaupt nicht vergleichbar.
    Es gibt bei jeder Hunderasse Ausreisser, manche Hunderassen bringen allerdings eine gewisse angeborene Grundaggressivität mit. Die sogenannten Kampfhunde wurden ursprünglich ausschließlich für (m.E. widerliche) Hundekämpfe gezüchtet und daher sind diese Hunde besonders für andere Hunderassen gefährlich, denn Hunde jagen und töten liegen leider im Wesen dieses Hundes. Dieser Jagd- und Tötungsinstinkt kommt bei diesem Hund im ungünstigsten Fall auch gerne mal gegenüber Menschen durch. Solche Hunde wurden nun mal nicht gezüchtet um mit Mutti und Pappi auf der Couch
    zu liegen.
    Schäferhunde und Spitze sind ausgezeichnete Wächter für Haus und Hof und beschützen ihre Menschen bedingungslos. Das ist es was ich an diesen Hunden so liebe. Ein sog. Kampfhund und viele andere Hunderassen hätten das brennende Auto ganz sicher nicht gemeldet.

    Daß es sog. „Ausreisser“ bei jeder Hunderasse gibt liegt m.E. oft (aber nicht immer) am Besitzer und der nicht vorhandenen Erziehung bzw. daran, daß der Hund die Rolle des Rudelführers übernimmt, weil Herrchen oder Frauchen zu schwach sind und der Hund dann meint er müsse dann die Führung übernehmen. Viele Besitzer von Hunden meinen, daß man den lieben Hund doch zu nichts zwingen möchte, Erziehung überflüssig ist und demokratische Gleichberechtigung angesagt ist. Diese Menschen verstehen Hunde einfach nicht und deren Hunde können dann leider für andere zur Gefahr werden.

    Es sollten viel mehr Menschen Spitze halten, um endgültig mit diesen blöden Vorurteilen aufzuräumen.

    Alles Gute und viele Grüße
    B. Schmidt

    Antworten
    1. Monika Artikelautor

      Liebe Marita,

      ich denke nicht, dass bestimmte Hunderassen grundsätzlich aggressiv sind.

      Ein m.E. weit verbreiteter Fehler nicht nur bei Hundehaltern, sogar selbst bei Hundeschulen ist die Meinung, dass alle Hunde gleich wären.

      Jede Hunderasse wurde für eine ganz bestimmte Aufgabe gezüchtet. Das heißt, dass der Mensch bei ihm ganz bestimmte Eigenschaften züchterisch verstärkt und andere quasi weg-gezüchtet hat. Deshalb kann man auch nicht alle Hunde gleich erziehen, sondern muss bei der Erziehung auf genau diese Eigenschaften auch eingehen. Das gelingt unterschiedlich gut, weil solche Eigenschaften bei jedem Hund einer Rasse auch individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Bei einem Jagdhund kann man z.B. das Jagdverhalten verstärken oder ein sog. Anti-Jagd-Training machen. Dadurch macht man sein Verhalten beherrschbarer und berechenbarer. Man wird ihm das Jagen aber nie vollständig abgewöhnen können. Die einfachste Lösung ist immer, sich einen Hund anzuschaffen, dessen angezüchtete Verhaltensweisen auch erwünscht sind, so dass er in seinem neuen Umfeld genau die Arbeit verrichten kann, für die er gezüchtet wurde.

      Wenn ich einen Wächter für mein Haus brauche, sollte ich mir also einen Wachhund anschaffen und keinen Jagd- oder Hütehund. Das Problem dabei ist aber, dass viele Menschen heute einen Hund anschaffen, dessen Eigenschaften sie überhaupt nicht benötigen, denn wer hält in seiner Mietwohnung Schafe oder lässt seinen Teckel in Dachsbaue schliefen? Ein unter solchen Umständen angeschaffter Hund ist somit mehr oder weniger arbeitslos. Wenn ich als Halter eines Hundes ihm dann nicht die auf seine individuellen Eigenschaften zugeschnittene Ersatzbeschäftigung anbiete, besteht die Gefahr, dass sein Verhalten aus dem Ruder läuft. Genau deshalb muss ich bereits bei der Anschaffung eines Hundes einigermaßen gut wissen, wie diese Hunderasse „tickt“ und seine Erziehung und Beschäftigung entsprechend anpassen, anstatt alle Hunde gleich zu machen.

      Bei den sog. Kampfhunden wurde auch nicht ein grundsätzlich aggressives Verhalten angezüchtet, sondern die Hemmschwelle bei einer ganz bestimmten Beißhemmung, nämlich der Beißhemmung gegenüber anderen Hunden, verringert. Die Beißhemmung gegenüber Menschen dagegen wurde sogar erhöht, damit die Besitzer ihren Hund, selbst wenn er schwer verletzt ist, noch anfassen und aus dem Ring tragen können.
      Wer sich also einen solchen Hund anschafft, kann ihn in der heutigen Zeit natürlich nicht mehr bestimmungsgemäß einsetzen. Aber man kann erzieherisch darauf einwirken, dass die Schwelle bei der Beißhemmung hoch ist, bzw. bleibt und dem Hund dann vielerlei Beschäftigungen anbieten, bei denen er sportlich aktiv sein kann und somit auch körperlich ausgelastet ist.

      Wenn man darüber hinaus dann nicht vergisst, dass der Hund ein Hund und kein Mensch ist (egal, wie viele Leberwurstbrote man in ihn hineinstopft), läuft sein Verhalten auch nicht aus dem Ruder.

      Ein Spitz ist grundsätzlich erst einmal ein Wachhund. Darüber hinaus ist er sehr anpassungsfähig. Wenn man ihn also einfach auch als Wächter arbeiten lässt und das braucht man ihm noch nicht einmal beizubringen, kann man ihn in praktisch jeder Umgebung hervorragend halten.
      Man muss sich seinen Hund eben einfach nicht passend zum neuen Sofa anschaffen, sondern auf seine Eigenschaften achten. Würden mehr Menschen das tun, hätten wir vermutlich auch ganz schnell wieder so viele große Spitze wie früher.
      😉

      Antworten
      1. danih

        Klasse, das hätten meine Worte sein können. Jede Rasse ist speziell und man sollte wirklich gucken welche Eigenschaften zu einem passen. Ich wohne mit Spitz in einem Mehrparteien Miethaus ohne Probleme. Und der Spitz geht seiner Aufgabe als Wachhund hier auch nach. Aber hysterisches Kläffen gibt es nicht. Da war mein Collie viel kläffiger.

        Antworten
  2. Christina

    Mir gefallen deine Geschichten sehr gut. Ich selbst halte auch einen jungen Kleinspitz. Wie haben sie ihren Spitzen beigebracht Ruhe zu geben? Meine Hundetrainerin hält nichts von solchen Kommandos und ich bin mit Spitzen noch unerfahren. Ich würde mich über eine Antwort freuen.

    Antworten
    1. Monika Artikelautor

      Hallo Christina!
      Zuerst einmal „Danke!“ – schön, dass Dir die Geschichten gefallen!
      Bevor ich Deine Frage beantworten kann, müsste ich selbst welche stellen:
      1. Was meinst Du mit „Ruhe geben“?
      2. Welche Kommandos meinst Du, bzw. Deine Hundetrainerin?

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.